Es gehört zu den Marshall-Inseln und ist bekannt als alte Teststätte für US-Atomwaffen: das Bikini-Atoll. Nun beantragt die Regierung der Inselgruppe, diese Stätte ins Weltkulturerbe der Unesco aufzunehmen, als "Symbol des nuklearen Kolonialismus des Pazifiks". Die Tests hätten die Weltgeschichte geprägt. Und das Atoll zeige, wie sich die Natur von verheerenden Zerstörungen erholen könne. Die Ureinwohner wollen aus dem Exil an die weißen Strände und die bunten Korallenriffe zurückkehren. Sie hoffen, vom Tourismus leben zu können.

Kann man dort ungefährdet urlauben? "Ja", sagt Herwig Paretzke, ein deutscher Strahlenschützer, den die vorsichtigen Bikini-Bewohner als Berater gewählt haben. Er findet es "wichtig, die Erinnerung an die verheerenden Explosionen wachzuhalten". Sie hätten damals auch die Militärs erschüttert – und so die Abschreckung gefestigt. Ohne den Unesco-Schutz könnte friedensstiftendes Wissen verloren gehen.

Den meisten fällt beim Stichwort "Bikini" jedoch nicht zuerst nuklearer Horror, sondern die Bademode ein. Mit seiner Kreation löste der Modedesigner Louis Réard, der auch Maschinenbauingenieur war, 1946 eine Welle moralischer Entrüstung aus. Aber mit der Zeit eroberte das einst verrufene Kleidungsstück die Badegewässer. Der Titel Weltkulturerbe für Bikini wäre also doppelt angebracht: als memento mori für die Abrüstung und als Hommage an das inzwischen unsterbliche "hübsche Nichts".