ZEITmagazin: Mister Lowe, Mister Tennant, wann stellt sich bei Ihnen ein Glücksgefühl beim Shopping ein?

Tennant: Wenn ich bei Fortnum & Mason "Jamaica Blue Mountain"-Kaffeebohnen kaufe. Oder wenn ich alte Bücher kaufe. Ich sammle Erstausgaben. Mein wertvollstes Exemplar ist eine limitierte Ausgabe eines Romans von Evelyn Waugh, Eine Handvoll Staub, in das er eine Widmung für einen Freund hineingeschrieben hat.

Lowe: Ich liebe Badezusätze und Duschgel von Kiehl’s. Und ein echter Luxuskauf sind für mich gesichtsreinigende Cremes von Shiseido.

Tennant: Und du gehst gern in französische Drogerien. Die sind so sauber und gut sortiert – ganz anders als die furchtbaren Drugstores in Amerika. Können Sie sich das vorstellen? Er verbringt dort Stunden, um den richtigen Rasierschaum zu finden!

Lowe: Aber das ist nichts gegen das Glück, ein schlichtes Poloshirt gefunden zu haben. Weil man genau weiß, was man bekommt. Und das zählt ab einem bestimmten Alter. Zufrieden bin ich auch, wenn ich Unterwäsche und Socken kaufe. Sie geben mir ein gutes Körpergefühl.

Tennant: Ich habe neulich gelesen, Justin Timberlake trägt jede Unterhose immer nur einmal – und wirft sie dann weg.

Lowe: Ein bisschen übertrieben. Er könnte sie wenigstens den Fans geben.

ZEITmagazin: Sie beide gelten als absolute Modeopfer. Wie viel Glück verspricht Shopping?

Tennant: Wenn man ehrlich ist: gar keines, kein echtes jedenfalls.

ZEITmagazin: Aber Konsum verspricht Abwechslung.

Tennant: Richtig. Und die haben auch Popstars nötig. Ich erinnere mich noch: In den achtziger Jahren haben britische Popstars es gehasst, am Samstagabend im deutschen Fernsehen aufzutreten – weil alle Geschäfte ab dem Mittag geschlossen waren. Sie waren schockiert, wie wenig Abwechslung es gab.

ZEITmagazin: Warum zerstreuen sich Popstars und Normalbürger beim Einkaufen?

Tennant: Man erneuert sich ständig. Das ist ein menschliches Bedürfnis. Kreditkarten bieten uns die Möglichkeit, Geld dafür zu borgen. Aber die Befriedigung bleibt kurzfristig.

ZEITmagazin: Fühlen Sie sich nicht in neuen Outfits wohl, wenn Sie sie zum ersten Mal auf der Bühne tragen?

Tennant: Natürlich, darum geht es ja. Es ist, als würde ich das passende Kostüm tragen.