Suranga Chandratillake sieht fast so aus wie die Cartoonfigur, die sich auf der Website seines Unternehmens findet und an einen dunkelhäutigen Tim erinnert, dem sein kleiner Hund Struppi abhandengekommen ist. Das weiße Hemd trägt der junge Brite sri-lankischer Herkunft leger offen zum gedeckten Anzug, hinter der markanten schwarz umrandeten Brille des Einunddreißigjährigen funkeln kluge dunkle Augen.

Und schon nach ein paar Sätzen merkt man, dass er für einen Computer- und Technik-Geek, jener Menschenschlag vom Prototyp eines Bill Gates, der seit ein paar Jahren faktisch die Welt regiert und zu dem Chandratillake ohne Frage auch gehört, eine seltene Eigenschaft mitbringt: stilles Charisma.

Chandratillakes Abenteuer heißt Blinkx und bringt ihm in diesen Tagen die Auszeichnung Young Global Leader ein. Sie wird seit einigen Jahren von den Organisatoren des Weltwirtschaftsforums in Davos an herausragende junge Unternehmer und Manager verliehen. Die Leistung von Chandratillake ist es, eine Suchmaschine für Videos im Internet entwickelt zu haben. Obwohl bis heute wenig bekannt, hat sich Blinkx zu einem der führenden Anbieter auf diesem Gebiet hochgearbeitet. Besonders beliebt ist das Angebot in Ländern wie den USA oder Großbritannien, anders als in Deutschland, wo Blinkx noch kaum eine Rolle spielt. Am besten versteht man das Unternehmen, wenn man es vom Video-Portal YouTube unterscheidet, das zum Internetkonzern Google gehört. YouTube speichert Videoclips auf den eigenen Datenbanken, Blinkx hingegen zeigt an, wo Videos im Internet zu finden sind. So ist YouTube letztlich ein Partner von Blinkx, und aus dieser und anderen Partnerschaften leitet sich der Anspruch von Blinkx ab, die Nummer eins für die Videosuche im Internet zu sein: Insgesamt verweist die Suchmaschine auf 35 Millionen Stunden bewegte Bilder.

Blinkx hat bereits Verträge mit vielen Hundert TV-Sendern und Verlagen

Webvideos machen inzwischen rund 90 Prozent des Internetverkehrs aus, meist zu kurzen "Clips" verarbeitete TV-Sendungen, Filme oder Amateuraufnahmen. Es ist der Wachstumssektor im World Wide Web. "Derzeit wird das ganze ›Modell Internet‹ auf das mächtigste Medium angewandt, das heute existiert – auf das Fernsehen", sagt Chandratillake, "ein Medium, das global ist, über den größten Werbemarkt verfügt und am einflussreichsten auch in dem Sinne ist, dass es die Meinungen und Ansichten von Menschen ändern kann."

Bislang war Fernsehen um die Logistik seiner technischen Verbreitung konstruiert, mit Kanälen und Sendezeiten, mit durchlaufenden, für alle zur gleichen Zeit empfangbaren Programmen: Frühstücks-TV, große Abendunterhaltung, Mitternachts-Talk. "Das alles verschwindet", sagt Chandratillake, "und das hat massive Auswirkungen auf das Internet-, Fernseh- und Werbegeschäft."

Blinkx will davon profitieren. Schon jetzt ist es auf verschiedenen Wegen dabei, die Zuschauer durch die neue Fernsehwelt zu führen. Und Werbung zu verkaufen. Wie der Internet-Konzern Google ist Blinkx im Kern ein Anzeigengeschäft und rangierte im vergangenen Herbst auf Rang sieben des Internetverkehrs-Analysten Hitwise im Bereich Unterhaltung/Multimedia. Inzwischen beantwortet Blinkx sieben Millionen Suchanfragen täglich und verzeichnet pro Monat etwa 70 Millionen Besucher.