Ja, er ist ein Auslaufmodell und sieht auch so aus. Er ist der abgewrackteste, abgefuckteste, ausgelaugteste Held, der seit Langem über die Leinwand geschlurft ist: Randy Robinson, genannt "Randy The Ram". In schäbigen Provinzhallen prügelt sich der Profi-Wrestler mit Gegnern wie Meathead I oder The Ayatollah. Wenn es der Kampf verlangt, lässt sich Randy von seinen Gegnern mit einer Tackermaschine Klammern in den Oberkörper schießen. Oder er schlitzt sich mit einer versteckten Rasierklinge die Stirn auf, um die Show ein bisschen blutiger zu gestalten. Darren Aronofskys Film The Wrestler, die Geschichte eines großen Abgehalfterten, ist das Comeback des Schauspielers Mickey Rourke, eines anderen großen Abgehalfterten. Für die Rolle des Showkämpfers, der von einem Herzinfarkt aus der Bahn und aus dem Ring geworfen wird, erhielt Rourke eine Oscarnominierung als bester Darsteller (die Trophäe ging an Sean Penn für die Titelrolle in Milk ).

Bei der Verleihungszeremonie wirkte Rourke angenehm deplatziert, ein Fremdkörper im wahrsten Wortsinn. Nicht nur, weil seine von Koks und Boxhieben zerstörte Knorpelnase zwischen all den glatten Botoxstirnen und Schlauchbootlippen aussah wie der Felsen von Alcatraz. Nicht nur, weil sich sein cooler weißer Anzug und sein offenes Hemd vom Smokingreigen absetzten. Und nicht nur, weil er um den Hals ein Foto seines Chihuahua Loki trug, der sechs Tage zuvor im gesegneten Hündchenalter von 18 Jahren gestorben war.

Rourke ist ein Anabolika-Gespenst, ein Relikt jener Hollywood-Ära, in der man noch an echte Körper glaubte. Damals, als Arnold Schwarzenegger noch Eisen pumpte und Sylvester Stallone als Boxer oder Vietnamveteran mit brachialen Schreien seinen Bizeps vor die Kamera hielt. Rourkes Wrestler wirkt wie ein erschöpfter Wiedergänger des Männerunterhemdenkinos der siebziger und achtziger Jahre. Er ist ein langhaariges, schlecht blondiertes, verschwitztes, schwer atmendes, aber eben auch stolzes Urviech inmitten einer Traumfabrik, die den kämpfenden Körper durch Computereffekte ersetzt hat.

In The Wrestler zeigt Randy-Rourke die Verletzlichkeit dieses altmodischen Kinokörpers aus Fleisch und Blut. Und er stellt seine Vergänglichkeit aus. Man merkt ihm die unendliche Mühsal an, die es ihn kostet, sich mit Mitte fünfzig als Muskelberg zu erhalten. Beim morgendlichen Jogging kommt er nur schwer in Gang. Das Ächzen bei den Showkämpfen muss er nicht mehr spielen. Und nach dem Match schleppt er sich in die Kabine, wo der Dealer mit den Aufputsch- und Schmerzmitteln wartet.

So erzählt The Wrestler nicht zuletzt auch von der Essenz des Showbiz: von der Sucht nach dem Rampenlicht und vom Preis, den man dafür zu zahlen bereit ist. Randy-Rourke ist des Ringes müde, aber er weiß auch, dass er jenseits des Ringes nicht existiert. Deshalb will er es noch einmal wissen.

Um nichts anderes geht es bei den Oscars, dem großen Showbiz-Drama von Alter und Jugendwahn, Ruhm und Absturz, Erfolg und Vergessen. In diesem Jahr war das Schönste daran, dass in Reihe drei immer wieder Mickey Rourke zu sehen war, diese großartig abgehalfterte, coole Hollywood-Metapher im weißen Anzug.