Neonazis schrecken bekanntlich vor nichts zurück. Neulich hat sich einer das Wort Hardcore als Marke schützen lassen. Aber was ist Hardcore? Nein, kein Porno. Zwar gibt es altmodische Zeitgenossen, denen automatisch Filme namens Deep Throat und Heldinnen namens Linda Lovelace einfallen.

Aber hinter dem Wort verbergen sich natürlich auch Bands wie Black Flag, Bad Brains, Extreme Noise Terror und was der systemkritischen Namen mehr sind. Seinem Ursprung nach war der laute, schnelle, bösartige Brachialmusikstil tatsächlich links, und zwar von linksalternativ bis linksextrem. Im Kalifornien der späten Siebziger machte man Breakbeats gegen Rassismus und Ronald Reagan, für Anarchie und "Radioaktives Ohrengemetzel" – wie ein legendärer Liedtitel lautet.

Dass ausgerechnet ein Nazi jetzt die Kunstform beschlagnahmt: Ist das möglich? Können Privatpersonen sich Teile des öffentlichen Gutes Sprache aneignen, demnächst auch die Genres Softporno oder Schelmenroman? Sollten wir uns schnell das Nationalepos oder den Rechtsrock sichern?

Rechtsradikale haben längst eigene Hardcorecombos und kopieren gern Autonomenmode. Ein Markendieb muss heutzutage aufpassen, dass er auf den gewundenen Wegen des Imagetransfers nicht versehentlich in ein linksrechtes Ohrengemetzel gerät.

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