"Jetzt sind wir alle Sozialisten", titelte Newsweek zum Auftakt der "Euro-7", des Gipfels der großen EU-Wirtschaftsmächte am Wochenende. Nach dem Raubtier- der Kätzchen-Kapitalismus, war die Gipfel-Botschaft – die lückenlose Kontrolle der Finanzmärkte weltweit. Teil zwei war die Ersatzhandlung: die Strafwut gegen die "Steueroasen", als wenn die Schweiz die Weltwirtschaftskrise verursacht hätte.

Der Kater erzeugt die besten Vorsätze, aber mit brummendem Kopf denkt’s sich nicht gut. Ist dies wirklich eine Regulierungskrise? In Amerika wird jede Bank von acht Behörden (Bund und Land) überwacht. In Deutschland gehören ausgerechnet die Staatsbanken (BLB bis KfW) zu den dümmsten Spekulanten. Die Sache geht aber noch tiefer.

Woher soll ein Regulator wissen, welches neue Finanzinstrument, sagen wir das "Solar-gesicherte Nachhaltigkeitszertifikat mit Goldrand" (SNG), notwendig oder frivol ist? Wie will ein junger Ministerialrat einem Herrn Ackermann dessen Geschäfte vorschreiben? Nicht einmal Aufsichtsratschefs haben derlei Kenntnis oder Autorität. Wie sonst hätte die Hypo Real Estate 600 Milliarden außerhalb der Bilanz platzieren können?

Zehn Beamte in jedem Boardroom sind nicht die Erlösung. Das Problem ist vielmehr die wundersame Verwandlung der modernen Bank in ein Versorgungsunternehmen mit angeschlossenem Kasino, notiert der britische Ökonom John Kay. Die Bank-als-Versorger kennen wir seit 1500: Sie borgt kurz und verleiht lang; sie nimmt das Geld von unseren Konten und gibt es – gut abgesichert – weiter als Darlehen und Hypotheken.