Was sollen angehende Manager lernen? Ein Gespräch mit dem Wirtschaftsethiker Jörg Althammer über Geld, Krisen und Moral

DIE ZEIT: Viele Manager gelten als geldgierige Gewinnmaximierer. Ist da in der Ausbildung etwas schiefgelaufen?

Jörg Althammer: Ich würde das nicht nur als Problem der Ausbildung sehen. Leitende Manager müssen in ihren Entscheidungen zwischen moralischen und ökonomischen Überlegungen abwägen. Oft werden in Unternehmen bestimmte Renditeziele vorgegeben, anhand derer das Management beurteilt wird. Um diese Ziele zu erreichen, fiel dann die Entscheidung in der jüngsten Vergangenheit oft zugunsten der Renditeerwartung und zulasten der ethischen Überzeugung.

ZEIT: Unternehmen rufen in schwierigen Phasen gerne nach dem Staat. Müssten ihre Manager nicht das eigene Handeln stärker hinterfragen?

Althammer: Ja, es wäre zum Beispiel ein großer Fehler, eine Bad Bank einzurichten, wo private Geldinstitute ihre "toxischen" Kredite zulasten des Steuerzahlers abladen könnten. Nicht nur aus moralischer Perspektive, weil ich dann strategische Fehler auf die Allgemeinheit abwälze. Wenn der Staat die Haftung übernimmt, geht für die Akteure davon das Signal aus, dass sie beliebige Risiken eingehen können, und wenn das Risiko einmal zu groß wird, dann tritt die Öffentlichkeit in Form des Staates ein, um das Risiko zu übernehmen. Derjenige, der Entscheidungskompetenz hat, muss auch für seine Entscheidungen haften.

ZEIT: Wirtschaftsethik spielt in den Managementstudiengängen aber keine Rolle.

Althammer: Wir haben das Fach Wirtschafts- und Unternehmensethik an unseren wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten noch kaum verankert, das ist wahr. Es macht einen großen Unterschied, ob nur ein Wahlmodul Ethik angeboten wird, das auch abgewählt werden kann, oder ob sich die Frage des ethischen Handelns durchgängig wie ein roter Faden durch die Ausbildung zieht. Das ist in den wenigsten Studiengängen bislang der Fall.

ZEIT: Aber geht es vielen Absolventen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen oder Business Schools nicht einfach darum, möglichst viel Geld zu verdienen?

Althammer: Es mag sein, dass dieses Motiv bei BWL-Studenten etwas ausgeprägter ist als bei Studenten anderer Fächer. Sonst hätten sie vielleicht auch einen anderen Studiengang gewählt. Meinen Studenten ist es wichtig, gut in den Arbeitsmarkt zu kommen und dann auch gut bezahlt zu werden. Zunächst ist an dem Erwerbsmotiv auch nichts auszusetzen. Die Frage ist nur, ob es auf Kosten des ethischen Handelns durchgesetzt wird. Auf die lange Frist zahlt sich kooperatives ethisches Handeln aus und ist auch wichtig für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg.