Um Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, könnte man eigentlich auch Instrumente des Kapitalismus nutzen, etwa Derivate. Wie bitte? Der Vorschlag klingt in der aktuellen Finanzkrise kühn und naiv. Während weltweit unübersichtliche Finanzinstrumente in Verruf geraten sind und Forderungen nach dem starken Staat ertönen, plädiert der US-amerikanische Biologe James Mandel von der Cornell University in Ithaca dafür, ausgerechnet die Erhaltung von Arten auch privaten Investoren anzuvertrauen.

Der Grundgedanke leuchtet ein: Beim Schutz bedrohter Arten könnten Regierungen und Naturschutzorganisationen Finanzhilfen gut gebrauchen. Vor allem in den armen Ländern schert es die meisten Firmen und Landbesitzer wenig, wenn auf ihren Flächen die letzten Exemplare einzelner Vogelarten leben. Schutzmaßnahmen empfinden sie in der Regel als hinderlich, da sie mit ihren wirtschaftlichen Interessen kollidieren. Ethische Appelle nützen wenig, solange keine Aussicht auf Ausgleich oder Gewinn besteht. Deshalb sollten finanzielle Anreize private Investoren für den Artenschutz gewinnen.

Wie das in der Praxis gelingen könnte, erläutern James Mandel und Kollegen in der Märzausgabe der Fachzeitschrift Frontiers of Ecology and the Environment (online). Das Prinzip ist simpel: Regierungen geben Derivate auf bestimmte Tierarten aus, die an deren Überleben gekoppelt sind. Bleibt der Bestand der Tiere stabil, erhalten die Investoren attraktive Zinsen. Sinkt die Zahl der Tiere jedoch unter eine klar vereinbarte Marke, werden die Derivate wertlos. Das freigewordene Geld verwenden die Regierungen dann zur Rettung der Art.

Die Investoren "wetten" gewissermaßen darauf, dass die Zahl der Tiere nicht unter eine kritische Grenze fällt. Ähnliche Verfahren haben sich bereits bewährt. Versicherungen etwa schützen sich mit sogenannten Katastrophen-Bonds gegen das Überschreiten ihrer Belastungsgrenze durch extrem hohe Forderungen nach Naturkatastrophen. Bleiben Extremschäden aus, werden die Investoren für ihren Risikoschirm belohnt, den sie für die Versicherungen aufspannen. Ein Projekt in Äthiopien brachte Mandel darauf, die Methode auch beim Artenschutz anzuwenden. Seit 2006 legt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen in dem afrikanischen Land Derivate auf, um die Bevölkerung gegen drohende Hungersnot abzusichern. Fällt genügend Regen, kassieren die Anleger. Bleibt er unter der vereinbarten Grenze, nutzt die UN das fällige Geld, um Dürre und Missernten zu bekämpfen.

Die Derivate beim Artenschutz sollen noch einen Schritt weiter gehen. Während Dürren, Erdbeben oder Hurrikane außerhalb menschlicher Kontrolle liegen, könnten Investoren den Bestand von Tierarten positiv beeinflussen – und damit den Wert ihrer Anlagen, die sich auf einer Handelsplattform kaufen und verkaufen lassen. "Anders als bei vielen herkömmlichen Finanzprodukten sind Kursmanipulationen ausdrücklich erwünscht. Sie machen den Kern unseres Konzepts aus", sagt Mandel.