Karneval: Muss man nicht mögen, muss man nicht hingehen. Dennoch verdient er den oben genannten Respekt: Die Grundidee ist der Versuch, der Heiterkeit einen Raum zu geben, die Sehnsucht zu erfüllen nach der guten Laune, der Leichtigkeit, dem Lachen.

Alkohol: Muss man nicht mögen, muss man nicht trinken. Ist auch kein Garant dafür, dass der Mensch lustig wird – tausendfach zu besichtigen in der Welt. Was an denen so ärgerlich ist, die sagen, dass sie Alkohol nicht brauchen, um lustig zu sein: ihre Arroganz. Nicht die Arroganz dem Alkohol gegenüber, sondern die Arroganz gegenüber dem "Lustigsein". Eine Arroganz, hinter der sich nichts als Langeweile verbirgt. Im Sinne des Klimaforschers und Stinktier-Experten Schellnhuber kann man nur dringend raten: Streichen Sie diese Leute von Ihren Listen.

Gegen die Todfeinde Nummer 3, die ewigen Jammerer, denen immer Schweres und Mühsames bevorsteht, gibt es ein kleines unterhaltsames Mittelchen. Es ist ein Witz. Er eignet sich gut, um das Klagelied des Jammerers endlich zu unterbrechen. Und er eignet sich noch besser, um herauszufinden, wie schlimm es um den anderen schon steht. Man kann es sozusagen mit der Uhr messen: Wie lange braucht der Mensch, um zu kapieren, dass der Witz etwas mit ihm zu tun hat?

Zwei Freunde sehen sich nach längerer Zeit wieder. Sagt der eine zum anderen: "Um Gottes willen, du siehst ja furchtbar aus!"
Sagt der andere: "Kein Wunder – bei meinem neuen Job. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich da mitmache."
"Ja, warum, was machst du denn?"
"Morgens um sechs geht’s los. Zementsäcke schleppen, unfassbar schwer, vom Keller hoch in den fünften Stock, kein Aufzug, keine frische Luft, heiß, Kollegen sind scheiße, nur eine Pause am ganzen Tag, zehn Minuten, so geht das bis sieben Uhr abends. Und morgens wieder hoch…"
"Du lieber Himmel", sagt der Freund erschrocken, "wie lange machst du das denn schon?"
"Morgen fang ich an."

Das Mittelchen: Je schneller einer zu erkennen gibt, dass er begriffen hat, der Witz meint ihn, desto günstiger die Prognose. Je später, desto schlechter. Kapiert jemand gar nichts? Auf Wiedersehen, sofort.

Kommen wir zu den Typen, bei denen es geradezu Absicht zu sein scheint, jeden noch so schönen Ort, jeden noch so schönen Moment kaputt zu machen.
Egal, wie schön der Sonnenuntergang, die Schiffsüberfahrt, die Hotelterrasse, die Stadt, der See, die Mangrovenbäume, der überraschende Obstmarkt in dem kleinen Dorf … Sie waren früher schon mal an einem Platz, wo es noch schöner, oder authentischer, oder luxuriöser, oder einfacher, oder billiger, oder schneller, oder spektakulärer war … Oder sie finden etwas, das ihnen nicht passt, und erzählen an Ort und Stelle von einer vergleichbaren Misslichkeit in Indien, Salzburg oder im Louvre, wo die Führerin wirklich gar keine Ahnung hatte, apropos Führerin…

Wir müssen hier ganz genau sein: Menschen, die gern und überall granteln, können durchaus eine Bereicherung für die Stimmung sein, sie können außerordentlich komisch sein, und sie sind sich ihres komischen Potenzials meistens bewusst. Das Problem mit unseren Todfeinden ist, sie würden sich nie so einschätzen, im Gegenteil, sie halten sich für weltgewandt, für anspruchsvolle Genießer. Diese Präzision der Unterscheidung muss man auf das Stinktier-Prinzip ausdehnen. Die Stinktiere halten sich für alles andere als Stinktiere. Wüssten sie um ihre Rolle, würden sie ihren Schrecken verlieren und eine gehörige Portion Charme gewinnen.