Die Regierung wollte Ruhe kaufen – und hat das Gegenteil erreicht. Drei Milliarden Euro mehr hatte die Große Koalition den Ärzten für 2009 versprochen. Dazu noch eine Honorarreform, die der organisierten Ärzteschaft gefällt.

CSU-Chef Horst Seehofer war von beidem so begeistert, dass er ankündigte, das neue Gesetz werde "Wunder wirken" und die Mediziner zu Höchstleistungen anspornen. Darauf hofften auch Angela Merkel und ihre Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Beide wissen, dass sich mit Gesundheitspolitik im Wahljahr wenig gewinnen, aber viel verlieren lässt.

Nun geschieht, was die Koalition unbedingt vermeiden wollte: Die Ärzte sind auf den Barrikaden. Viele von ihnen bekommen weniger statt mehr und sind deshalb zu Recht wütend. Denn es leuchtet nicht auf Anhieb ein, warum die einen zu den Gewinnern und die anderen zu den Verlierern in der neuen Gesundheitswelt gehören. Weil neuerdings pro Patient gezahlt und abgerechnet wird, lohnt es sich, möglichst viele Menschen zu behandeln. Das allein ist aber kein Beweis für Qualität.

Hinzu kommt, dass die Honorarreform kräftig von West nach Ost umverteilt. Viele niedergelassene Ärzte im Osten können sich über zweistellige Zuwachsraten beim Gehalt freuen. Das ist sinnvoll, weil in den neuen Bundesländern heute schon die medizinische Versorgung Lücken hat. Aber vermutlich hätte die Politik besser gar nicht den Eindruck erweckt, dass es einen Geldsegen für alle gäbe.

Nun halten Ärzte die Hand bei ihren Patienten auf und verlangen Bares für Behandlungen, die eigentlich kostenlos sind. Andere schließen ihre Praxen oder drohen, Mitarbeiter zu entlassen. Der Unmut richtet sich vor allem gegen Berlin.