Alle vier Jahre erfindet sich Amerika neu; der Umsturz ist Prinzip und Programm einer Nation, die aus der Alten Welt geflohen ist und im Staatssiegel novus ordo seclorum trägt – "etwas ganz Neues unter der Sonne". Die Revolution des Barack Obama ist also Tradition, wie sie sich in Roosevelts "New Deal", Kennedys "New Frontier" oder Reagans "Good Morning, America" spiegelt.

Gerade fünfzig Tage im Amt, hat Obama überall ein neues Rad angeschubst. In den Schlagzeilen liest sich das so: "Obama sucht die Zusammenarbeit mit gemäßigten Taliban"; "neue Töne im transatlantischen Dialog"; "streckt Fühler nach Moskau aus"; "schickt Emissäre nach Syrien"; "will das Gespräch mit Teheran". In der Außenpolitik entstehen die Umrisse jener neuen Ordnung, die im Staatswappen zelebriert wird.

Bloß gibt es in der Weltpolitik selten etwas wirklich Neues, und das hat noch jeder Präsident lernen müssen. "Lasst uns neu beginnen", rief Kennedy im Januar 1961 den Sowjets zu. Im Juni kehrte er wutentbrannt von seinem ersten Treffen mit Chruschtschow (in Wien) zurück, um vom Kongress 35 Extra-Milliarden (in heutigen Dollar) für die Aufrüstung zu fordern – als Antwort auf das Muskelspiel des Sowjetmenschen.

Jimmy Carter trat 1977 mit der Parole an, die "unmäßige Angst vor dem Kommunismus abzuschütteln". Tatsächlich wurde in seiner Amtszeit die Nachrüstung in Europa (und fast auch die Neutronenbombe) beschlossen. SaltII, der Abbau der Atomwaffen, wurde ausgesetzt, nach dem Sowjet-Einmarsch in Afghanistan die Teilnahme an den Moskauer Spielen abgesagt.

Und George W.? Noch im Jahr 2000 klang es wie Schalmeien aus seinem Mund: "Wenn wir arrogant sind, werden sie uns das verübeln; wenn wir bescheiden sind, werden sie uns willkommen heißen." Der Rest ist bekannt: 9/11, dann zwei Kriege und just die Arroganz im Umgang mit anderen, vor der W. im Wahlkampf gewarnt hatte.

Und nun Obama. Die Welt verehrt ihn, wie sie nach 1961 den jungen Kennedy verehrt hat. Sie scheint geradezu erleichtert zu sein, nach Bush jr. einen US-Präsidenten wieder lieben zu dürfen. Ein Spiegel- Kollege hat Obamas Wortgewalt just mit der von Frau Merkel verglichen: fünf zu eins für Mr. O.