Hochschulabsolventen haben auch in der Krise Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kolja Briedis vom Forschungsinstitut HIS erklärt, wie sie die am besten nutzen können

DIE ZEIT: Es gibt bessere Zeiten, um mit dem Studium fertig zu werden, als mitten in der Wirtschaftskrise. Gibt es Grund zur Panik?

Kolja Briedis: Das wäre sicher übertrieben. Natürlich hängen die Einstiegschancen auch immer wieder von konjunkturellen Schwankungen ab. Aber Berufsanfänger mit einer niedrigeren Qualifikation sind davon viel stärker betroffen als Hochschulabsolventen.

ZEIT: Trotzdem gehen dieselben Unternehmen, die vor Kurzem noch händeringend Fachkräfte gesucht haben, jetzt auf Kurzarbeit. Was bedeutet das für Hochschulabsolventen?

Briedis: Das ist schwer zu sagen. Wir wissen einfach nicht, was in den nächsten Jahren passiert. In der Autoindustrie wurde Kurzarbeit in der Produktion angeordnet, aber ihre Etats für Forschung und Entwicklung wollen die Konzerne möglichst beibehalten. Die Beschäftigungschancen für Ingenieure müssen sich also gar nicht so dramatisch ändern. Erst recht, wenn man überlegt, dass da in Bezug auf grüne Auto-Technologie viel nachzuholen ist.

ZEIT: Welche Branchen trifft es denn?

Briedis: Ich vermute, dass sich Wirtschaftswissenschaftler auf längere Suchzeiten und niedrigere Einstiegsgehälter einstellen müssen. Normalerweise können sie sich auf alle Branchen verteilen; wenn aber die gesamte wirtschaftliche Entwicklung rückläufig ist, wird auch für sie das Nadelöhr ein bisschen enger. Die Frage ist: Welche Ausweichmöglichkeiten habe ich – und das sind nicht immer die Katastrophenjobs.

ZEIT: Aber von der Vorstellung vom Traumjob muss man sich verabschieden?