1. It´s the Stability, Stupid! Seit Monaten rutschen Börsen zu Tal, Wachstumsraten drehen ins Minus, Notenbanken pumpen Milliarden ins System, Regierungen starten Impulsprogramme, und nebenbei kommt das Bankgeheimnis unter Druck: Das Muster kennt man, von der Erdölkrise 1973. Wenn ein Land aber relativ gestärkt aus den damaligen Turbulenzen hervorging, dann die Schweiz. Was war passiert? In der Krise blieb die Nationalbank unter Fritz Leutwiler stur bei ihrer monetaristischen Strenge und verzichtete auf Zinssenkungen (was die Schweiz Mitte der siebziger Jahre in eine tiefe Rezession stürzte). Zugleich hielten die Finanzpolitiker am mittelfristigen Ziel eines ausgeglichenen Bundesbudgets fest. So erschien die Schweiz – wieder einmal – als Insel der Stabilität.

Die Inflation blieb tief, der Franken hart, sodass die Nationalbank 1978 contre cœur die Zinsschraube lockern musste: Der Franken hätte sonst die Exportindustrie abgewürgt. Um den Strom an Geldern aus dem Ausland zu dämmen, verbot der Bundesrat zeitweise die Einfuhr von Devisen über 20000 Franken. Dennoch brachten Hunderttausende ihr Geld ins Land. Bei der Bankgesellschaft nahm zwischen 1973 und 1978 die Zahl der Wertschriftendepots von 200000 auf 280000 zu.

Eine Kernfrage lautet heute also: Entpuppt sich die Schweiz erneut als Musterländle mit tiefer Inflation und fester Währung? Es gibt Anzeichen, dass zwei Tugenden auch jetzt greifen: Sparsamkeit und Bedächtigkeit. Kein anderes Land der Welt geizt dermaßen mit Konjunkturprogrammen. Und im laufenden Jahr peilt der Bund allen Ernstes einen Überschuss von 1,4 Milliarden Franken an.

2. Weg mit der Stempelsteuer! Wegen der Stempelsteuer gingen der Schweiz wichtige Marktanteile und auch Know-how verloren. Um sich im Standortwettbewerb zu behaupten, braucht der Finanzplatz aber kompetitive Rahmenbedingungen, etwa klare steuerliche Bestimmungen für Trusts und Stiftungen nach schweizerischem Recht. Gut wären auch flexiblere Regelungen für kollektive Kapitalanlagen von Pensionskassen und Versicherungen. Und vor allem keine Stempelabgaben.

3. Mehr Sauberkeit! In Delaware kann man ein Unternehmen gründen und einen Treuhänder vorschieben. Solange man selber nicht dort wohnt, entfallen die Gewinnsteuern. Deshalb sind im kleinen US-Staat neben 875000 Menschen rund 600000 Firmen zu Hause. Auf den britischen Kanalinseln wie Guernsey, Jersey und der Isle of Man darf man als Ausländer sein Geld in einem Trust parken – steuerfrei. In Hongkong und Singapur gibt es ein Bankgeheimnis, das dichter ist als das der Schweiz. Doch derzeit steht nur die Schweiz als Störenfried am Pranger – das Schicksal des Sonderfalls. So bleibt dem Land nur eine Forderung: die Gleichbehandlung im Umgang mit den Steueroasen. Je gleicher die Bedingungen sind, desto leichter kann die Schweiz Abstriche bei ihrem Bankgeheimnis verschmerzen. Vor allem aber: Je stärker sich das Land – etwa in der OECD – für eine neue Ordnung einsetzt, desto weniger kann sie als Schurkenstaat abgekanzelt werden.

4. Haltet die Holdings! Transocean, Tyco oder ACE: Allein seit letztem Sommer beschlossen sieben US-Konzerne, ihren Sitz in die Schweiz zu verlegen. Total beschäftigen sie 230000 Menschen, hatten ihren Holdingsitz in der Karibik und wollen nun dem Druck auf Steueroasen entgehen. Der amerikanische Kampf gegen Schlupflöcher provoziert eine Gegenbewegung – in die Schweiz.

Die Schweiz zählt zu den attraktivsten Firmensitzländern der Welt. Hier schwelt der nächste Konflikt: bei den Holdingsteuern. Seit 2007 fordert die EU, dass die Schweiz ausländische Holdinggesellschaften härter besteuert. Sie beruft sich dabei auf das Freihandelsabkommen von 1972, wo "eine wettbewerbsverzerrende Hilfestellung" des Staates für Unternehmen verboten wird. Derzeit häuft sich in Europa jedoch der staatliche Interventionismus – alles Musterfälle, anhand deren die Schweiz eine Debatte über wettbewerbsverzerrende Subventionen vom Zaun brechen kann.