Noch sind die dummen, aber nahe liegenden Witze mit dem Opel-Emblem nicht gerissen worden – etwa der Art: "Da ist wohl der Blitz eingeschlagen."

Es haben sich auch die Karikaturisten noch nicht den Bundesadler vorgeknöpft und ihm das chromglänzende Zickzackgebilde in die Klauen gezeichnet, um etwaige Verstaatlichungsbegierden zu verhöhnen.

Nein, die Menschen in der Krise sind dezent. Sie haben keine Vergleiche zwischen dem Kölner Stadtarchiv-Debakel und dem Untergang der Lehman-Bank angestellt, obwohl in beiden Fällen sämiges Zuwarten staatlicher Instanzen die entscheidende Rolle spielte. Die Menschen ahnen, dass die Verwaltung in Köln gute ordnungspolitische Gründe hatte, den Tunnelvortrieb der U-Bahn-Bauer nicht zu stoppen – sie wollte die Selbstreinigungsprozesse im Untergrund nicht behindern.

Dann war der Fleck weg, aber an seiner Stelle plötzlich ein Loch. Und obwohl dieses Loch tatsächlich so wirkte, als habe der Opel-Blitz eingeschlagen, hat es wieder niemand gesagt. Dezenterweise haben alle nur gedacht, dass es in Köln jetzt aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Es war aber ein Gedanke ohne jeden Vorwurf.

Die Menschen wissen, dass Hempels in der Krise andere Sorgen haben als den unaufgeräumten Zustand unter ihrem Kanapee – vor allem, seit das Kanapee weg ist, nämlich wahrscheinlich gepfändet oder beschlagnahmt vom Amt für Hartz-IV-Empfänger.

Ja, es ist eine große Nachsicht ausgebrochen, die Menschen gehen taktvoll und schonend miteinander um. Jeder tut sein Zerstörungswerk vor der eigenen Haustür, so lange noch eine da ist.

Sollte sich eines Tages der Bundesadler, bis zur Unkenntlichkeit gerupft, vor die U-Bahn stürzen, wird es ihm niemand krumm nehmen. Das bisschen Metall, glänzend auf dem Schotterbett der Schienen, das wird dann der Rest von Opel gewesen sein. Der Adler konnte die Autos, bei aller Liebe, doch nicht mit ins Grab nehmen.