DIE ZEIT: Herr Rürup, Sie haben die Regierungen Kohl, Schröder und Merkel beraten – nun verabschieden Sie sich vom Rat der Wirtschaftsweisen und von der Universität. Warum?

BERT RÜRUP: Ich hatte schon lange vor, nach meiner Universitätskarriere noch mal etwas ganz Neues zu machen. Und wenn ich bis zum Ende meiner Amtszeit im Sachverständigenrat geblieben wäre, wären meine Möglichkeiten kleiner gewesen als jetzt.

ZEIT: Sie wechseln zu AWD, einem Finanzdienstleister mit zweifelhaftem Ruf…

RÜRUP: …der aber aus einer Zeit stammt, die mehr als zehn Jahre zurückliegt. Seitdem hat sich der AWD neu erfunden und ist immerhin der größte private Finanzdienstleister Europas. Ich werde beim Geschäft in Russland und China helfen, Anregungen für neue Produkte der Altersvorsorge entwickeln und als Chefökonom ein eigenes kleines, aber exquisites Forschungsteam leiten. Das ist reizvoll.

ZEIT: Sie haben erst die sogenannte Riester-Rente miterfunden und profitieren künftig von deren Vertrieb. Wirft es nicht doch ein schlechtes Licht auf Ihre Arbeit, wenn Sie mit den Ratschlägen von gestern viel Geld verdienen?

RÜRUP: Warum ist es falsch, etwas in der Praxis zu begleiten, mit dem man sich vorher über Jahrzehnte als Wissenschaftler beschäftigt hat? Soll ich meine Expertise und Erfahrungen brachliegen lassen? Sie können sicher sein, dass ich weder mein Arbeitsfeld noch meine Berateraufgaben ausgewählt habe, um später für einen Finanzdienstleister zu arbeiten.

ZEIT: Die Riester-Rente wurde eingeführt, als in Deutschland noch alle auf die New Economy schauten und viele mit Aktien reich werden wollten. Hätte das Gesetz heute noch ein Chance?