RÜRUP: So schwer eine allgemeine Antwort ist: Die Rolle der Beamten scheint mir am ehesten unterschätzt zu werden. Die Administration kann viele Ideen befördern, verändern und verhindern. Ein Berater kann beispielsweise einem Minister viel erzählen – aber am Ende wird der seinen Staatssekretär oder Abteilungsleiter fragen, was er davon hält.

ZEIT: Haben die Beamten Sie nie als Konkurrenz empfunden?

RÜRUP: Nein, eher gab es ein Spiel mit verteilten Rollen. Ein Politikberater kann beispielsweise eher als ein Beamter in der Öffentlichkeit für Ideen werben. Andererseits können die Fachleute aus einem Ministerium mit ihrer Erfahrung oft schon früh Schwächen einer Idee erkennen.

ZEIT: Gerhard Schröder hat stark auf Berater von außen gesetzt, bei Angela Merkel spielen Kommissionen keine große Rolle. Woran liegt das?

RÜRUP: Auch Frau Merkel hat ihre wissenschaftlichen Berater. Der Unterschied scheint mir eher zu sein, dass Schröder das öffentlich gemacht hat, sicher auch, um die Akzeptanz für seine Reformen zu erhöhen.

ZEIT: Hat die Große Koalition das weniger nötig?

RÜRUP: Das weiß ich nicht.