Es liegt nicht an Heike Makatsch. Und das ist auch schon das Beste, was man über diesen Film sagen kann. Selbst wenn man zugesteht, dass es nicht einfach ist, das Leben von Hildegard Frieda Albertina Knef auf die Leinwand zu bringen, ein Schicksal zwischen Nazizeit, russischer Kriegsgefangenschaft, Wirtschaftswunder und Hollywood, die Achterbahn-Karriere einer Frau, die am Theater und im Film gespielt, gesungen und geschrieben hat, Berlinerin und Broadwaystar, bundesrepublikanische Symbol- und Skandalfigur war – selbst wenn man all das bedenkt, gibt es immer noch keinen Grund, weshalb ausgerechnet Hilde von Kai Wessel dabei herauskommen musste.

Das Problem dieser 9,5 Millionen Euro teuren Produktion ist, dass sie alles erzählen will, aber nichts sagt, durch eine Karriere hetzt, ohne eine Haltung zu der Frau zu finden, um die es doch geht: Hildegard Knef, die immer ein bisschen mehr Harald Juhnke war als Marlene, mehr Berliner Göre als Glamourgestalt und dabei zu großem Sarkasmus wie zu großer Zartheit fähig. Keine Haltung ist eben gerade eine. Das beweist Hilde aufs Fatalste im verschwiemeltem Umgang mit den Ufa-Anfängen der Knef und ihrer Affäre mit dem Reichsfilmdramaturgen Ewald von Demandowsky. In ihrer Autobiografie Der geschenkte Gaul schreibt die Knef hellsichtig und selbstkritisch über sich, die naive 19-Jährige, die von dem verführerischen Filmnarren und überzeugten Nazi beeindruckt war und sich in ihn verliebte. Im Film hingegen nutzt Hildegard Knef die erste Gelegenheit, um Goebbels’ Kinochef ins Bett zu ziehen. Als sie nach Kriegsende zur Premiere des Wolfgang-Staudte-Films Die Mörder sind unter uns geht, kombiniert eine Parallelmontage die Szene mit der Exekution des ausgemergelten Demandowsky durch die Russen. Hier Premierenapplaus und Seidenrobe, da tödliche Schüsse mit pathetischer Musikuntermalung. Was wird hier evoziert, wenn nicht das Bild einer Karrieregeilen, die über die Leiche des armen Kulturnazis hinweg in ihre glanzvolle Zukunft schreitet?

Immer wieder scheint es, als ob hier ein Leben zerhäckselt und per Zufallsgenerator zu einer Nummernrevue zusammengefügt wurde. Etwa die Auftritte des Produzenten Erich Pommer (Hanns Zischler), den die Knef in der letzten Szene als einen der wichtigsten Menschen ihres Lebens bezeichnet, ohne dass Drehbuch und Inszenierung auch nur eine Ahnung einer langen, schönen Freundschaft vermittelt hätten. Oder auch Sentenzen aus dem Geschenkten Gaul, die wie kleine verirrte Ufos in Heike Makatschs Mund landen ("Ich hasse den Hass"). Vor allem aber verschenkt Hilde das Talent seiner Hauptdarstellerin. Makatsch redet wie die Knef und singt wie die Knef und raucht und trinkt wie die Knef, aber indem sie nachempfindet, ohne zu imitieren. Sie hat die gleiche Mischung aus Bodenständigkeit und sophistication. Kurz: Ihr gelingt das Kunststück, Hildegard Knef in einem Film zu sein, der sich für Hildegard Knef letztlich nicht die Bohne interessiert.

Die Knef hat es immer abgelehnt, den Geschenkten Gaul fürs Kino zu adaptieren. Ihr fehle die Distanz, sagte sie. Nun ist diese Leinwand-Biografie kein Film über Hildegard geworden. Und auch keiner über die Knef. Die Hilde, die der Film am ausgiebigsten zeigt und die sein Titel anbiedernd beim Vornamen grabscht, dieses Bademantel-, Boudoir-, Nacktpopo,-Schummerlicht- und Beziehungsgeredewesen, ist wahrlich das Uninteressanteste an ihrem dramatisch deutschen Leben. Was hätte die Knef selbst dazu gesagt? Einen ihrer dahinberlinerten Sätze zwischen sarkastischer Heiterkeit und tiefen Zigarettenzügen. Etwa: "So was Dämliches könnte man mir, glaube ich, nicht mal in Vollnarkose entlocken."

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