Unter heiterem Himmel kann sich auch eine Melancholie des Weitblicks einstellen. Spannend, das in einem Werk zu erleben, dessen Popularität immer gern mit Eigenschaften wie "sonnig" und "liebenswürdig" erklärt wird – Franz Schuberts Forellenquintett . Sicher, die Komposition des 22-Jährigen ging auf einen glücklichen Sommer zurück, gleich anfangs nachstrahlend in A-Dur und in aufsteigend gebrochenem Akkord.

Aber wann begann je ein heiteres Stück mit einem Orgelpunkt? Zehn Takte lang hält der Kontrabass das A im Abgrund. Und wenn er wechselt, eine große Terz weiter in die Tiefe, kippt die Harmonik mit: F-Dur! Befremdlich ist dieser Sprung. Normalerweise findet man ihn einfach typisch schubertisch. Normalerweise klingt aber auch die Geige darüber nicht plötzlich so fahl, als wiche ihr die Kraft aus den Knochen. So ist es in der Aufnahme des Carmina Quartetts zu erleben, für die sich die renommierten Schweizer mit Pianistin Kyoko Tabe und Kontrabassist Petru Iuga zusammentaten. Es sind Nuancen, mit denen sie die Forelle von der dicken Panade der Vertrautheit befreien. Die Sonne scheint wie angekündigt, doch die Konturen werden feiner, schärfer, die Oberflächen durchsichtiger.

So kommt es, dass man viele Details nicht mehr einfach so weghört. Das simple Seitenthema in E-Dur im Klavier – ist nicht ein bisschen Ironie darin? Und zugleich eine kleine Angst, wie lange es wohl noch gut geht? Tabe formuliert die Töne wie mit undurchdringlicher Miene, doch um jeden Ton sind Gedanken. Die Pianistin verbindet sich bestens mit den Streichern und ihrer analytischen Transparenz. Die lässt auch in den Variationen aufs Lied Die Forelle das Schicksal des Fischchens ahnen: Vom Angler ausgetrickst, endet die Forelle im Lied als "Betrogene". Schubert zitiert diese finstere Passage nicht im Quintett. Aber dass da etwas verborgen ist in der Heiterkeit, das kann man hier hören.

Zugleich haben diese Musiker einen Schwung, mit dem sie in Robert Schumanns Es-Dur-Klavierquintett zeitweilig sogar die hochkarätige CD-Konkurrenz vom "Spannungen"-Festival hinter sich lassen. Im Scherzo fragt man sich, warum noch niemand dieses Stück choreografiert hat: Es hält einen kaum auf dem Sitz. Ganz ohne doppelten Boden gibt sich das Ensemble da der blendenden Laune des schwierigen Mannes hin. Auch gut!

Schubert, Quintett A-Dur/ Schumann, Klavierquintett Es-Dur, Carmina Quartett, Kyoko Tabe, Solo Music