Barack Obamas Amtsantritt war von einer ernsten Sorge überschattet. Sicher, es gab die Freudentränen, Jubeltänze und "Yes, we can"- Rufe in aller Welt. Sie übertönten die Warnrufe einiger der intelligentesten Köpfe der USA, die den Niedergang eines ganzen Kulturkreises kommen sahen, den Zerfall wichtiger amerikanischer Institutionen, kurzum: das Ende des politischen Humors.

Für die Autoren satirischer Sendungen wie der Daily Show und Saturday Night Live ist Obama eine einzige Spaßbremse: intelligent, cool, Bezwinger des Rassismus. Würde es je einen richtig guten Witz über ihn geben?

Was waren das noch für Zeiten unter George W. Bush, zumal in den letzten Monaten seiner Amtszeit: Die Daily Show (übers Internet auch in Deutschland gut zu empfangen: www.comedycentral.com) war ein 22-minütiges Feuerwerk hart recherchierter Pointen, jede Ausgabe wurde von zwei bis drei Millionen Zuschauern verfolgt. Bush wurde in Videomontagen vorgeführt, wie es weder der Kongress noch die seriöseren Medien der USA je geschafft haben. Weil sich die gelungensten Attacken dann noch per E-Mail und YouTube millionenfach fortpflanzten, wurde der "Satirisch-industrielle Komplex", wie Daily Show- Moderator Jon Stewart seine Branche einmal nannte, zur wichtigen Kontrollinstanz, zur fünften Gewalt.

Jetzt ist Obama schon zwei Monate im Amt, eine Witzfigur ist er immer noch nicht. Fred Armisen, der (weiße) Mann, der bei Saturday Night Live die Rolle des Obama-Parodisten auf sich genommen hat, musste sich zunächst vom Original benoten lassen: Sein Imitator, sagte Obama einem Fernsehkritiker, sei ja leider "nicht ganz so großartig". Sorry: Wer kontrolliert hier wen?

Immerhin lässt Armisen Obamas Marotten von Woche zu Woche deutlicher hervortreten. Da sind vor allem seine Sprachauffälligkeiten: seltsam; voneinander abgehackte; Satzteile. Eine ungewöhnliche? Sprachmelodie. Inzwischen klingt der Obama-Sound dank Armisen fast schon lustig. Auch sind seine Segelohren von den beiden Originalen kaum zu unterscheiden.

Harte politische Satire ist das noch nicht. Die lässt sich lieber an Obamas Weggefährten und Gegnern aus. In den endlosen Weiten Amerikas findet sich immer ein Verrückter, der Obama für den "leibhaftigen Satan" hält oder auch für die "Wiedergeburt Adolf Hitlers". Der wird dann in der Daily Show mit aufgesetztem Ernst interviewt. Ganz amüsant – wenn auch nicht so weltbewegend wie die Demontage eines Präsidenten.

Zuletzt begrüßte die Daily Show die Besucher ihrer Website mit dem Slogan: "Bush ist nicht mehr Präsident – und seht mal, die Daily Show ist immer noch lustig!" Ist sie ja auch, hin und wieder. Wenn etwa Obamas Charismawerte auf einem "Messiasmessgerät" angezeigt werden. Ein Highlight war auch ein Zusammenschnitt von Obamas erster Pressekonferenz als Präsident, bestehend aus all seinen Denkpausen, einige davon: Sehr. Sehr. Lang.