Das breite Gewinde des Bohrers knirscht ins Eis, als hätten wir es nur mit Semifreddo zu tun und nicht mit dem Produkt eines langen nordischen Winters. Ich kurbele keine drei Minuten, und das messerscharfe Werkzeug sackt ins Nass. Die Stärke des Eisbodens unter uns schätze ich auf zwanzig Zentimeter. "Ach was", sagt Johan, "das sind mindestens siebzig, darauf kannst du mit einem Lastwagen fahren. Und jetzt musst du pumpen." Ich hieve den Bohrer ein paar Mal mit Schwung aus dem Loch, um mit dem Wasserschwall alle Eisfragmente herauszuschwemmen.

Anna und Johan, meine jungen schwedischen Begleiter, stehen mit mir auf dem zugefrorenen Bolangen, einem See in der Abgeschiedenheit des Sami-Landes an der norwegisch-schwedischen Grenze, 130 Kilometer südöstlich von Trondheim. Eisangeln wollen wir, und der vorsorgliche Blick in die Fachliteratur hatte mich auf eine harte Prüfung eingestimmt. Namentlich das Öffnen der "Tür zum Fisch" war als mühselige Angelegenheit geschildert worden. Der Einsatz eines Bohrers führe gern zu "unangenehmen, aber ungefährlichen Quetschungen an den Händen". Unser Gerät jedoch ist offenkundig so gut, dass die Sache wie ein Kinderspiel beginnt und der krönende Abschluss unseres Ausflugs zu werden verspricht.

Es war bis hierher eine feine Skitour gewesen. Anna und Johan, die wintererfahrenen Gefährten, hatten alles vorbereitet. Die Wanderski mit den Stahlkanten bereitgestellt und einen Pulkka-Schlitten mit Vorräten, Schlafsäcken, Polarjacken, Funkgeräten, Eisbohrer und Angeln vollgepackt. Startpunkt war das Fjällnäs Högfjällshotell auf der anderen Seite der Hügelkette. Über hundert Jahre lang war das Ensemble aus vier stattlichen Holzzweigeschossern ein Sanatorium, das Skandinaviens gekrönte Häupter und andere Leidende wegen der guten Luft aufsuchten. Ein privater Investor hat die Anlage kürzlich generalüberholt und so viel Luxus in die karge Berggegend gebracht, dass die New York Times das Fjällnäs dieses Jahr auf ihrer Liste von "44 places to go" an Rang sechs führt.

Anna hatte auf ihren Brettern die Hügel hinauf Spur und Tempo vorgegeben, Johan war mit dem Schlitten rasch zurückgeblieben. Unter Birken ging es hindurch, und man hatte sich zu ducken, dass einem der Raureif nicht von den Ästen ins Genick geschüttelt wurde. Mit jedem Atemzug briste ein Schwall klarer Luft durch die Nase, nur das Schurren der Ski war zu hören. "Wenn du dich auskennst", sagte Anna, "kannst du hören, wie kalt der Schnee ist." Nach gut einer Stunde lag der Bolangen unter uns, in einer Schüssel, umstanden von 1500 Meter hohen Gipfeln. Eine pfeifende Abfahrt, bei einer alten Hütte die Kleidung gewechselt, dann standen wir, den Eisbohrer geschultert, auf dem See.

Nun reicht mir Johan die Angel, die er Pimpel nennt, sie sieht aus wie ein Spielzeug, kurz und bunt. Zwei Dosen mit Maden hat er im Anorak warm gehalten, damit die Köder nicht gleich erfrieren. Wir dagegen bekommen die zehn Grad minus sofort zu spüren. Um die Maden auf die scharfen Dreifachhaken zu stecken, müssen die Hände heraus aus den arktistauglichen Fausthandschuhen. Binnen dreißig Sekunden sind die Finger klamm und gefühllos, was das Anbringen der Köder erschwert. Vorteilhaft erscheint, dass die Finger wohl schon schmerzfrei gefrostet wären, wenn man sich nun einen der scharfen Widerhaken hineinrammte.

Der Schacht ist wie ein Tunnel in eine andere Welt, dunkel und still

Ab mit der Leine in das Loch. "Lass den Haken auf den Grund fallen, die Fische fressen vom Boden", sagt Johan, "bewege ihn ab und zu ein wenig auf und ab." Wird gemacht. An dem Stück Schnur, das nun immer wieder aus dem Wasser kommt, frieren sofort Tropfen an. Die Fachliteratur hatte dies als lästiges Phänomen beklagt, weil die Leine deswegen nicht mehr ungehindert durch die Rutenringe laufen könne. Der Laie dagegen erfreut sich am Anblick dieser schönen Perlenkette, die er erst einmal als Geschenk der Natur und ästhetischen Gewinn der Unternehmung verbucht. Und daran tut er gut. Nach einer Stunde nämlich hat sich nichts weiter getan, und es keimt schon ein leiser Verdacht, dass es mehr auch nicht werden könnte. Johan liegt im Schnee und hat den Kopf ins Eisloch gesteckt. "Wenn du den Blick richtig fokussierst, kannst du den Grund sehen", röhrt er in die Tiefe, "es ist spannend, wenn sie kommen. Man wird sie beobachten können, wie sie an den Köder gehen."