Das Hotel St. Regis ist ein Hort alteuropäischer Verfeinerung mitten in Washington. Sie erreicht ihren Höhepunkt in der Modernität der Küche – ein Produkt des Franzosen Alain Ducasse, dem Koch mit den meisten Michelin-Sternen der Welt. Ducasse hat mit dem Restaurant Adour den Amerikanern gezeigt, was östlich des Atlantiks an Raffinement möglich ist. Hier wird die Kunst des Kochens auf einem Niveau demonstriert, das sowohl den Ästheten als auch den Gourmet wohlig stöhnen lässt. Hier stimmt fast alles. Nur das Licht ist diffus, und oft muss man aus Suppentellern essen, was auf einem planen Porzellan besser geschmeckt hätte.

Auf den Tellern finden sich reine Genüsse ohne unnötige Effekte. Da wird eine Hühnerbrust mit einer Scheibe Foie gras so zusammengepresst, dass der Eindruck einer einzigen Scheibe entsteht. Ein Stück Kabeljau war perfekt, dicke Scheiben Toast dienten einem weichen Ei und einer Lage sehr aromatischer Trüffeln als idealer Untergrund, und ein raffiniert gebackener Heilbutt gab das Geheimnis seiner Herstellung nicht preis. Ein Wunderwerk war das Apfelsoufflé. Für solche Köstlichkeiten plus Wein zahlen zwei Personen 300 Dollar. Zum Weißen Haus ist es ein Katzensprung.

Im Stadtteil Georgetown, unweit des Hotel Four Seasons, liegt das Mendocino, ein völlig unscheinbares Kleinrestaurant plus Weinbar, Modell Prenzlauer Berg. Da ist manches dilettantisch zubereitet, etwa die braune Erbsensuppe. Der unvermeidliche Salathaufen muss ohne Öl durchs kurze Leben, aber die Fleischstücke schmecken nicht schlecht. Rätselhafte Einzelteile wie das harte Palmherz und andere Ungereimtheiten gehören zur kalifornischen Folklore, der die Betreiber sich offenbar verpflichtet fühlen. Dieser Küchenfolklore begegnet der Gast auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in der kleinen Markthalle von Dean & Deluca. Auch dort gibt es Exotisches auf dem Teller – und manches kommt aus der Konserve.

Kann das Mendocino den Gourmet schon nicht beeindrucken, so sind die Selbstbedienungs-Cafeterias in den großen Museen nur abschreckend zu nennen. In der National Gallery of Art, deren West Building man auf keinen Fall versäumen darf, kann das zum Problem werden: Allein fürs Besichtigen der Kunstbücher im Souterrain sollte man eine Stunde einkalkulieren, das macht hungrig. Der Eintritt ist frei.

Adour im Hotel The St. Regis: 923 16th and K Streets, Washington, D. C., Tel. 001-202/509 80 00

Mendocino: 2917 M Street, Washington, D. C., Tel. 001-202/333 29 12