Der geballte Protest der Medienschaffenden in der Causa Brender/ZDF erinnert an eine berühmte Szene in Casablanca. Nazimajor Strasser hat gerade Captain Renault gezwungen, Rick’s Bar wegen anti-deutscher Umtriebe zu schließen. Warum?, faucht der verblüffte Humphrey Bogart. Der ewig glatte Renault: "Ich kann es nicht fassen, unglaublich; hier wird ja um Geld gespielt!" In dem Moment steckt der Croupier Renault ein Bündel Scheine zu: "Hier ist Ihr Gewinn, Sir."

Die Bestürzung der Kollegen hat etwas Renault-haftes an sich. Haben sie denn gerade erst erfahren, dass in den Öffentlich-Rechtlichen Parteipolitik gemacht wird? Dass im ZDF-Verwaltungsrat die Herren Kurt Beck, Roland Koch, Peter Müller, Matthias Platzeck und Edmund Stoiber sitzen? Und im Fernsehrat noch einmal zwölf Partei-Menschen nebst solchen üblichen Verdächtigen wie DGB, ver.di und Arbeitgeberverband?

Wie soll denn hier jene "Eigenständigkeit" entstehen, deren Verlust Ex-Chefredakteur Bresser nun beklagt? Nicht einmal die "außerparteilichen Vertreter" in den Räten "bleiben unabhängig", moniert Verfassungsrichter a. D. Dieter Grimm. Sie zerfallen in rote und schwarze "Freundeskreise", die sich an den Parteien ausrichten wie Eisenspäne am Magneten. Und die Jobs auch: Ist der Intendant "rot", ist der Chefredakteur "schwarz". "In dubio pro porz", kalauert der Spiegel.

Wie kann denn die "Staatsferne", die Ex-NDR-Chef Plog reklamiert, entstehen, wenn der Staat jährlich 7,5 Milliarden für ARD und ZDF hinlegt? Durch diese Zwangsabgabe entstehen allenfalls Kundenferne und Verschwendung. Dieser Autor irrte kürzlich an einem Freitag durch ein großes deutsches Funkhaus. Er traf um 17 Uhr niemanden mehr. Nur noch auf leere Büros.

Entstanden ist zudem eine sorgfältig kaschierte Parteinähe als getreues Abbild der Mehrheitsverhältnisse. Kein Großpolitiker musste Gehorsam einfordern; das stellte sich sozusagen im Vorgriff ein. Denken wir an den BR (schwarz) oder WDR (rot, als noch die SPD regierte). Wenn dem rüden Roland Koch etwas vorzuwerfen ist, dann der Bruch dieses Komments mit der öffentlichen Attacke gegen ZDF-Chefredakteur Brender.

Anderseits muss man Koch dankbar sein, weil er den Schleier der angeblichen "Staatsferne" zerrissen hat (wiewohl die im Vergleich zu Frankreich und Italien geradezu galaktisch ist). Wer am 27. März die Schlacht gewinnt, ist nicht mehr die zentrale Frage. Die ist vielmehr: Wie den Griff des Parteienstaates lockern, der seit 1949 in den letzten Winkel vorgekrochen ist? Geht nicht? Dann diese Frage: Wieso brauchen wir 23 bundesweit sendende Öffentlich-Rechtliche? Alle für die "Grundversorgung" – und dann zum Preis von 7,5 Milliarden? Bis vor einer Generation gab es nur zwei: ARD und ZDF. Und wieso senden die praktisch das Gleiche wie die Privaten, bloß sehr viel kommoder aufgrund der Marktferne, welche die Zwangsabgabe gewährt?

Jedenfalls gilt das beste Argument nicht mehr. Das demokratische Musterland Bundesrepublik braucht die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr als Bollwerk gegen Nazifunk und Totalitär-TV. Bloß: Was machen wir mit den Aberhunderten von Politikern und Funktionären, die die Gremien besetzen?