Wenn alle über alles geredet haben, über strengere Waffengesetze, aufputschende Killerspiele und vergiftete Kinderseelen, dann, wenn Anne Will schon darüber hinweg ist und am Ende auch Frank Plasberg nichts mehr hören will vom Amoklauf in Winnenden, dann gibt es immer noch einen, der weiterspricht: Christian Pfeiffer, langjähriger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover und zeitweilig niedersächsischer Justizminister. Er geht den Leuten auf die Nerven, wo immer er auftritt. Er lässt nicht locker, präsentiert seine Zahlen und Studien, mahnt und warnt. Man kann sich schon sicher sein, dass gerade etwas Schreckliches passiert ist, wenn man nur Pfeiffers Gesicht auf dem Fernsehschirm sieht. Erklärungen werden gebraucht, und Pfeiffer hat viele. Ein Prophet des Medienzeitalters steht da vor Mikrofonen, fünf Mal am Tag, zehn Mal. So geht das vier, fünf Tage lang, danach versprechen die Lehrer den Eltern eine neue Kultur der Wachsamkeit, die Eltern versprechen den Lehrern dasselbe, die Reporter ziehen ab, die Kerzen auf den Gräbern werden vom Wind ausgeblasen, und Christian Pfeiffer verschwindet aus den Talkshows. Bis zum nächsten Amoklauf.