Post und Banken machen sich schon lange rar, ein Edeka-Laden ist im Schnitt in sieben Minuten erreichbar – zu Fuß. Neun Millionen Kunden gehen täglich ein und aus. Edeka ist der größte Lebensmittelhändler im Lande. Dennoch wissen nur wenige, was sich hinter dem vertrauten blau-gelben Logo verbirgt: Ein verschachteltes Imperium immenser Größe, das außer den Insidern niemand überblickt und hinter dessen Kulissen es nicht nur um Obst und Gemüse, sondern um Macht und Einfluss geht.

Wer das Sagen hat, bestimmt keine Hierarchie, wie man sie aus Konzernen kennt. Bei Edeka wird die Macht von unten nach oben ausgeübt. Gilt es in der Hamburger Zentrale, etwas zu beschließen, sind die einzelnen lokalen Händler stets mit von der Partie. Und davon gibt es ziemlich viele. Jeder führt sein Geschäft, so mancher auch mehr als eines, auf seine Weise. Und das bekommen auch die Kunden und Mitarbeiter zu spüren.

Meike Bergmann strotzt vor Energie. Sie machte sich vor sechs Jahren selbstständig und führt heute einen 1450 Quadratmeter großen Laden in Lüneburg. Dort arbeiten 73 Menschen. Voll des Lobes ist Meike Bergmann für das Edeka-Programm, das Existenzgründer besonders fördert. "Das hat mir sehr geholfen", sagt sie. Der Sprung in die Selbstständigkeit wurde ihr aber auch wohl deshalb erleichtert, weil ihr Vater ein erfahrener Edekaner ist.

Meike Bergmann grenzt sich gerne mit speziellen Aktionen von der Konkurrenz ab: etwa zu Halloween oder Fastnacht. Dann laufen sie und ihre Mitarbeiter verkleidet durchs Geschäft. "Viele Kunden sind begeistert", sagt sie, "manche denken auch, wir spinnen." Auch an normalen Tagen erscheinen nicht alle im blau-gelben Edeka-Einheitslook, sondern tragen ein spezielles Outfit: weiße Blusen oder Hemden, weinrote Westen und dunkle Schürzen dazu. "Das sieht doch klasse aus", sagt eine Kundin.

Insgesamt gibt es rund 12.000 Märkte in Deutschland, die zur Edeka-Gruppe gehören. Und mit insgesamt 280.000 Beschäftigen zählt das Handelsgeflecht zu den größten Arbeitgebern im Land. Für das laufende Jahr ist wieder ein Rekord geplant: 43 Milliarden Euro Umsatz sollen es werden.

Etwa 20 Krämer fanden sich 1898 zusammen, um die erste regionale "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin" zu gründen. Initiator war der Berliner Kaufmann Fritz Borrmann. 1907 schuf er zusammen mit Karl Biller die Mutter von Edeka: den Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften. Es war die Zeit, in der zwei Chemiker der Firma Henkel mit Persil das erste "selbsttätige" Waschmittel Deutschlands entwickelten und damit den Hausfrauen das mühsame Reiben, Schwenken und Walken der Wäsche ersparten. Auch Dr. Oetkers Puddingpulver und Maggis Suppenwürfel reüssierten als Markenartikel. Mitte der fünfziger Jahre überschritt der Gesamtumsatz der Genossenschaften erstmals die Milliardengrenze.

Heute gehört auch Halil Aytar dazu. Er ist Kaufmann mit Leib und Seele. Er kam 1978 nach Deutschland und besitzt jetzt zwei Edeka-Märkte in Hannover. 2006 hat er sich selbstständig gemacht, und viele Kunden schätzen ihn, weil er fast immer präsent ist. "Wenn ich mal nicht da bin, fragen sie nach mir", sagt Aytar. Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit.