Sie fordern einen Wechsel in der wirtschaftspolitischen Strategie, um zukünftig Wachstum durch eine stärkere Binnennachfrage zu erzielen.

Zweifellos werden die Folgen des globalen Abschwungs vor Deutschland nicht haltmachen: Nicht von ungefähr tauchen scheinbar allseits ökonomische Horrorszenarien auf.

Gleichwohl dürfte sich der überwältigende Pessimismus mit etwas Hoffnung mischen. Zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass Deutschland die aktuelle Krise besser überstehen wird als seine Wettbewerber. Die hohe Abhängigkeit vom Export ist lediglich deswegen möglich, weil deutsche (Investitions-)Güter auf den Weltmärkten attraktiver als ausländische Erzeugnisse sind. Das wohl dramatisch steigende Staatsdefizit stellt natürlich eine Bürde für die kommenden Generationen dar, doch das internationale Vertrauen in den deutschen Staat ermöglicht ihm eine wesentlich günstigere Kapitalaufnahme als anderen Nationen. Noch nie konnte der Finanzminister Konjunkturmaßnahmen so viel preiswerter finanzieren als seine EU-Kollegen. Auf Jahrzehnte wird der deutsche Steuerzahler damit deutlich weniger Kapitaldienst leisten müssen als seine Partner in der Euro-Zone.

Außer Frage steht auch, dass sich die qualitative Struktur der Weltwirtschaft verändern wird. Die Wirtschaftspolitik von Barack Obama wird weltweit zu einer Nachfrage nach Umwelttechnologien führen. Auf diesen Trend ist die deutsche Industrie schon lange vorbereitet; sie wird ihre Innovationen wesentlich zügiger zur Marktreife führen können.

Fakt ist: Schon heute wird sichtbar, dass Deutschland trotz zu erwartender Exporteinbrüche in der Krise gewinnt. Kürzlich zeigte eine Studie, dass unser Land bei amerikanischen Investoren als Standort an unseren osteuropäischen Nachbarn vorbeigezogen ist. Jetzt sind stabile Produktionsverhältnisse gefragt. Diese kann Deutschland mit einer breiten Diversifizierung in der Wertschöpfung bieten. Dadurch bleibt auch die Abhängigkeit des hiesigen Wohlstandes vom Finanzsektor kleiner als in anderen westlichen Ländern.

All dies gilt es zu berücksichtigen, ehe wir den Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik neu definieren. Zum Schluss dürfen wir nicht vergessen, dass diese Krise nicht hausgemacht ist. Es sind schlichtweg deren Folgen, die wir über die Finanz- und Außenwirtschaft importiert haben. Auf die sich ändernden Rahmenbedingungen war Deutschland bereits vor Beginn der Finanzkrise vorbereitet. Das »Geschäftsmodell Deutschland« funktioniert auch in einer neuen Welt.

Paul P. Maeser, Berlin