die zeit: Herr Schmid, ein kluger Kopf hat mal gesagt: Sich als Evolutionsbiologe dauernd zur Schöpfungsgeschichte zu äußern ist ähnlich absurd, wie wenn ein Astronom ständig über Astrologie reden müsste.

Paul Schmid-Hempel: Ja, wir Biologen diskutieren immer wieder, ob wir uns öffentlich äußern sollen. Der Kreationismus, also der Glaube an eine übernatürliche Schöpfung, ist seit 150 Jahren tot. Wer ihn trotzdem als Erklärung heranzieht, handelt wie jemand, der zu den Kristallsphären zurückkehrt, um die Planetenbahnen zu erläutern. Aber das Thema Evolution betrifft jeden, da geht’s ans Lebendige, und darum bin ich entschieden der Meinung, dass auch die Biologen sich der Diskussion stellen müssen.

zeit: Sie äußern sich manchmal prononciert – werden Sie auch angegriffen?

schmid: Ich bekomme Schmähbriefe, das schon. Aber die meisten verhalten sich hierzulande Gott sei Dank zivilisiert.

zeit: Sie haben jüngst auf der ETH-Homepage gegen den Kreationismus Stellung bezogen, es kamen Dutzende Kommentare.

Schmid: Unglaublich. Es war aber offensichtlich, dass etliche Kommentare aus dem Umfeld von Pro Genesis stammten. Dieser Verein ist die Speerspitze der Kreationisten.

zeit: Wie stark sind die Kreationisten in der Schweiz?