Ein kalifornischer Highway, hochglänzende Felgen, das unverwechselbare Röhren des Motors, der Sound der Freiheit. Bereits drei Jahre vor Easy Rider schwang sich Peter Fonda auf den Sattel einer Harley Davidson. 1966 spielte er in Wild Angels , den Anführer einer gewalttätigen Motorradgang, einen coolen Outlaw namens Blues, mit Lederjacke und Sonnenbrille. Regie führte Roger Corman, Hollywoods berühmtester und erfolgreichster unabhängiger Produzent, König der B-Movies, der stets wusste, welche Themen und Trends in der Luft lagen.

Mit ihrer Mischung aus Trash und Gewalt, Sex und authentischem Lebensgefühl erfassten die Corman-Produktionen den Zeitgeist der Sechziger – und in Wild Angels den Hass auf Konventionen und Autoritäten, eine alles umfassende Wut, die sich auf der Leinwand in Massenschlägereien manifestiert. Doch die Rebellion der Gang, in deren Hauptquartier Nazifahnen und Hakenkreuze an der Wand hängen, ist hier noch reiner Selbstzweck.

Interessant ist Cormans Film vor allem als eine Art Vorstudie zu Easy Rider: Wild Angels ist pures Exploitation-Kino, eine so reißerische wie hölzerne Aneinanderreihung von Gewaltszenen und derben Sprüchen. Die Revolte steckt in den Bildern, kann sich aber noch nicht als Filmsprache und Erzählrhythmus artikulieren. Blues und seine Kumpane drehen sich mit ihren Motorrädern im Kreis, ziel- und orientierungslos wie das Pferd, das sie auf einem ihrer Trips befreien. Doch man merkt Peter Fonda, dem unruhigen Outlaw, an, dass er sich bald aufmachen muss auf eine andere Reise, deren Lebensgefühl Hollywood und ein ganzes Jahrzehnt erfassen wird.