Die Residenz des Premierministers liegt gut 20 Kilometer westlich von Moskau und ist von eher bescheidener Eleganz. Die Journalisten warten im Billardzimmer, traditionell bei Tee und Zwieback. Das Treffen Putins mit zwei seiner Minister ist für 16 Uhr angekündigt, aber der Regierungschef ist berüchtigt für seine Verspätungen.

Um 20 Uhr, ist es so weit: Schwarze Limousinen fahren vor. Vizepremierminister Dmitrij Kosak, zuständig für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014, und der Umweltminister Jurij Trutnjew stehen gerade, als Putin in den Raum eilt. Alle drei setzen sich. Putin richtet eine Frage an den Umweltminister und unterbricht dessen Antwort grantig im ersten Satz.

Nun wird es klar: Die Journalisten sollen einer höchstamtlichen Schelte Trutnjews beiwohnen. Eine Woche zuvor hatte jener mit seiner Aussage, auf den Baustellen in Sotschi herrsche Chaos, wohl für Verärgerung bei seinem Vorgesetzten gesorgt. Putin zischt einige Fragen hervor zu Robbenjagd, Leopardenschutz und Pipelinebau, und Trutnjew bemüht sich, mit seinen Antworten den Flurschaden gering zu halten. Nach zehn Minuten ist die kleine Inquisitionsrunde vorbei. Draußen tritt Trutnjew vor die Journalisten und sagt Sätze wie »Ich habe Wladimir Wladimirowitsch Bericht erstattet« und »Wladimir Wladimirowitsch hat mir den Auftrag erteilt, die Baustellen zu inspizieren«. Es ist fast 21 Uhr abends.