Nachrufe sind eine journalistische Darstellungsform, in der es niemand den Briten gleichtut. Sie füllen täglich eine Seite der großen Zeitungen. Man liest vom Tod eines Oberst Smiley, der im Zweiten Weltkrieg in einem Dampfbad in Kairo splitternackt die Entführung des deutschen Generals Kreipe vorbereitete, vom Dahingehen des walisischen Partylöwen Sir Dai Llewellin, der sein Leben lang nicht lernte, die BHs williger Debütantinnen einhändig zu öffnen, und vom Ableben des Folksängers John Martyn, der nach einem Konzert volltrunken von der Bühne stürzte, dennoch drei Zugaben gab und von der Königin mit dem Orden des Britischen Empire geehrt wurde.

Auch obskure Publikationen pflegen die Kunstform. In den Fishing News standen anrührende Zeilen über einen Trawlerkapitän, der einen lebenslangen Kampf gegen Bürokraten und Politiker geführt hatte, die Ausländern britische Hoheitsgebiete zur Plünderung der Fischbestände öffnen, dabei jedoch nie seinen Humor verlor, denn »er war ein perfekter Gentleman«.

Das kam einem Fischereiaufseher spanisch vor, der einen Skipper gleichen Namens wegen fortwährender Regelverstöße verfolgte. Wie sich herausstellte, hatte der »Verstorbene« eine Eulogie auf sich selber verfasst und führte den patriotischen Kampf um die Fischbestände unter neuem Namen fort. Der zur Rede gestellte Chefredakteur der Fishing News gab zu bedenken, er könne sich ja nicht gut eine Leiche zeigen lassen, wenn jemand seinen eigenen Nachruf einschicke. Zum Glück kommt das nur selten vor.