»Politik«, hat neulich der frühere bayerische Ministerpräsident und noch frühere Staatssekretär und Innenminister Günther Beckstein im Magazin der SZ gesagt, »Politik ist eine Droge, von der man schwer loskommt. Aber ich bin auch vom Rauchen losgekommen, ich schaffe das schon.« Die Entzugserscheinungen, die Beckstein in diesem Gespräch schildert, sind wahrhaft erschütternd. Sätze wie »Ich telefoniere auch wieder selbst« oder »Ich war schon mehrmals beim Einkaufen« zeigen das Ausmaß politischer Hospitalismusschäden, die der Patient Beckstein mannhaft und nicht ohne Erfolg bekämpft. Der Fall beweist, dass die Gefahren der Politik noch immer unterschätzt werden. Sie gehört ja ganz offensichtlich zu jenen Drogen, deren Gebrauch andere Menschen unmittelbar zu schädigen imstande ist. Es wäre deshalb an der Zeit, diejenigen, die der politischen Droge verfallen sind und von ihr nicht lassen können, von der Öffentlichkeit abzusondern und an geschlossenen Örtlichkeiten unterzubringen. Spezielle Kneipen mit politischem Stammtisch müssten eingerichtet werden, versehen mit Hinweisschildern, die arglose Flaneure auf die Risiken der Begegnung mit politischen Junkies aufmerksam machen. Weiterhin wäre zu überlegen, Politikern das Tragen von Armbinden verpflichtend zu machen, auf denen zu lesen wäre: »Politik kann tödlich sein« oder »Politik schadet Ihnen und Ihren Mitmenschen«.

Es versteht sich von selbst, dass wir Günther Beckstein bei seiner Rückkehr in die Normalität alles Gute wünschen. Ob er allerdings gut daran tut, wie er an einer Stelle bekennt, ausgerechnet bei Aldi einzukaufen, ist äußerst fraglich. Denn zweifellos lockt ihn die Karl-May-Ausgabe, die dort seit einigen Tagen zum Preis von 5,99 Euro je Band angeboten wird. Natürlich haben wir volles Verständnis dafür, dass einem im Politikentzug befindlichen Resozialisierungsfall wie Beckstein nichts angenehmer ist als die Lektüre des Winnetou, in dessen Helden sich selber zu erkennen er unmöglich umhinkann: »Er schien im Anfange der fünfziger Jahre zu stehen; seine nicht zu hohe Gestalt war von ungewöhnlich kräftigem und gedrungenem Bau. Wer auch nur einen einzigen Blick auf ihn richtete, der sah sofort, daß er es mit einem bedeutenden Manne zu thun hatte.« Das ist Beckstein, keine Frage. Aber, aber! Die Droge des Selbstgenusses kann schlimmer sein als die der Politik – wenn es nicht sogar dieselbe ist. Finis