Die Universität Karlsruhe streitet über ihre Militärforschung. Das Institut für Nachrichtentechnik arbeitet am »Software-Defined Radio« – finanziert durch die Bundeswehr. Ein Karlsruher Professor ist zugleich Leiter des wehrtechnischen FGAN-FOM-Instituts, ein anderer Direktor des Fraunhofer-Instituts für Informations- und Datenverarbeitung, zum Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung gehörig. Alles ganz normal, heißt es.

Erstaunlich, dass die Uni ausgesprochen verschnupft reagiert, wenn sie über diese Normalität sprechen soll. Ob es daran liegt, dass ihre militärische Seite nicht ganz freiwillig ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist? Dazu kam es erst durch die anstehende Gründung des Karlsruhe Institute of Technology (KIT), 2006 ein Sieger in der Exzellenzinitiative. Es soll durch die Fusion der Uni mit dem Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) entstehen. Dieses wiederum verfügt über eine vertragliche Zivilklausel: »Die Gesellschaft verfolgt nur friedliche Zwecke.«

Nun fragt sich: Wie militärfreundlich wird das neue Superinstitut? Gewerkschafter, Studenten und Wissenschaftler sprechen laut über diese militärische Seite und fordern, dass die Zivilklausel auf das KIT übertragen wird. Bloß Getöse versprengter Altkommunisten, sagt die Universität – und verweist an höhere Stellen. Die »bewährte Tradition« werde nicht geändert, erklärt das Wissenschaftsministerium in Stuttgart. Soll heißen: Das FZK behält die Zivilklausel, die Universität bleibt ohne. Das KIT wird dann doch geteilt bleiben. In Sachen Forschung kann dann jeder wählen, wie friedlich er es gerne hätte. Nicola Kuhrt