Die Zeit: Frau Nahles, während Wirtschaftsforscher Millionen Jobverluste vorhersagen, behaupten Sie unverdrossen, Deutschland werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. Warum?

andrea Nahles: Erstens sind die hiesigen Unternehmen stark, viele haben im Aufschwung investiert. Zweitens haben wir eine starke Arbeitsverwaltung. Weil die Arbeitslosenzahlen zuletzt so niedrig waren, hat die Bundesagentur für Arbeit hohe Rücklagen. Und nach den Reformen hat sie auch gute, moderne Instrumente. Drittens haben wir mit der Mitbestimmung eingespielte Mechanismen zur Krisenbewältigung. Wir werden noch dankbar dafür sein, dass in Deutschland Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Belegschaften in der Regel nicht nach dem Motto laufen: »Streiken – und dann schauen wir mal.«

ZEit: Sie glauben also, dass die Krise das Land gar nicht so hart trifft?

Nahles: Das habe ich nicht gesagt. Unsere Stärken ändern ja nichts daran, dass fast jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland am Export hängt. Kurzfristig kommt es jetzt darauf an, was in den Ländern um uns herum geschieht. Ich rechne damit, dass der Rettungsschirm für Osteuropa in diesem Jahr noch ein paar Mal vergrößert wird.

ZEIT: Machen Sie sich schon Gedanken, wie ein drittes Konjunkturpaket aussehen könnte?

Nahles: Wir sollten uns vorbereiten für den Sommer. Dann werden die Arbeitslosenzahlen ganz sicher steigen.

Zeit: Brauchen wir dann weitere Konjunkturhilfen – etwa mehr Geld für die Abwrackprämie?