So unbestreitbar es ist, dass noch immer in vielen Bereichen vor allem eine strukturelle Ungleichheit zwischen Männern und Frauen herrscht und dies auch noch eine Weile so bleiben wird, so deutlich sind doch die Zeichen der Veränderung zu erkennen. Und ich, eine dreißigjährige Frau auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben, stelle langsam, aber sicher fest, dass durch die Veränderungen, die durch die Frauenbewegung in Gang gesetzt und vorangetrieben worden sind, die Männer genauso vor der Frage nach der Selbstbestimmung und der eigenen Rolle stehen.

Und deswegen frage ich mich, ob es heute bei dem Thema Abtreibung tatsächlich noch um die Frage nach der Selbstbestimmung der Frau gehen sollte – oder ob die Berichte der Männer nicht vielmehr als Zeitdokumente wahrgenommen – und als Denkanstöße für eine neue Debatte genutzt werden sollten. Denn offenbar fühlen sich Frauen wie Männer allein gelassen und hilflos. Sie haben es nicht geschafft, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden, um gemeinsam eine Entscheidung, egal welche, zu treffen. Wenn dies so ist, sollte es dann nicht vielmehr darum gehen, gemeinsam zu überlegen, wie Unterstützungssysteme gestaltet werden müssen, um Paaren zu helfen, die so zerstörerische Sprachlosigkeit zu überwinden, um zusammen, welchen Weg auch immer, zu gehen?

Maren Bude, Heidelberg