Es hat ja von Beginn an »Weltfinanzkrise« geheißen – doch erst allmählich wird klar, wie sehr dies wirklich eine Finanzkrise der gesamten weiten Welt ist. In den Entwicklungs- und Schwellenländern fühlten sich manche Wirtschaftspolitiker lange Zeit gut geschützt. Die jüngsten Zahlen aber von statistischen Ämtern und Organisationen wie der Weltbank und dem Institute for International Finance, die internationale Finanzströme dokumentieren, zeichnen ein ernstes Bild.

Mit großer Geschwindigkeit flieht Kapital aus den ärmeren Ländern zurück in die reiche Welt – nachdem es in den Jahren von 2003 bis 2007 boomartig in die andere Richtung geflossen war. Für 2009 rechnen Analysten damit, dass weniger als halb so viel privates Kapital in ärmere Länder fließt wie 2007. Gleichzeitig hat die Kapitalflucht etliche Regierungen dazu bewogen, den Export von Kapital per Gesetz zu beschränken.

Am raschesten sind die sogenannten Portfolio-Investitionen zurückgegangen. Emerging-Markets-Aktienfonds zogen beispielsweise im Jahr 2008 rund 41 Milliarden Dollar aus der ärmeren Welt ab – das entspricht exakt dem Zufluss, den es im Jahr 2007 gegeben hatte. Etwa die Hälfte aller Fondsinvestitionen in Emerging Markets, die zwischen 2003 und 2007 getätigt wurden, sind inzwischen wieder abgeflossen. Auch Bankkredite an Schwellenländer gehen rasch zurück.

Sogar die Direktinvestitionen (FDI) nehmen in der Krise ab. Sie gelten eigentlich als besonders stabil, weil es sich um Anlagen von Firmen in neue Gebäude oder Maschinen handelt, die nicht so leicht wieder außer Landes gebracht werden können und über die meist auch nach langfristigen Plänen entschieden wird. Doch FDI haben sich weltweit rapide verlangsamt. Ein erhebliches Problem entsteht dadurch für Regionen wie Osteuropa: Dort waren die Schulden schon vor der Krise sehr hoch, aber das störte wenige Regierungen, weil ein Großteil der Finanzzuflüsse in der Form solider Direktinvestitionen kam. Doch jetzt sind eben diese in Osteuropa nach einigen Schätzungen um mehr als die Hälfte eingebrochen. tf