Rechtsradikale tragen nicht nur Glatze, sondern gern auch Nadelstreifen. Spätestens als die NPD 2004 in den Sächsischen Landtag einzog, wurde die Mimikry der Neuen Rechten augenfällig. Christoph Ruf und Olaf Sundermeyer wollen der Wortergreifungs- und Verbürgerlichungsstrategie der rechtsextremen Partei Wissen entgegensetzen. Denn das fehle selbst vielen Journalisten. Also haben sie sich zwei Jahre auf Reisen in die National Befreite Zone begeben, die Utopie des rechten Fußvolks und wohl auch ihrer Partei. »Wer als Demokrat den Anspruch aufgibt, bessere Argumente zu haben«, habe schon verloren und könne den rechten »Marsch in die Mitte der Gesellschaft« kaum aufhalten.

Seitdem es die NPD gibt, wird darüber diskutiert, ob es sie geben darf, und genauso lange werden aufklärende Bücher über sie geschrieben. 2008 erschien mit Neonazis in Nadelstreifen (Ch. Links Verlag) eine differenzierte Analyse zur Struktur und Arbeitsweise der NPD. Insofern betreten die Autoren nicht gänzlich neue Pfade, wenn sie das Innenleben der Partei durchleuchten wollen, ihre Strategien, Wähler zu gewinnen und Nachwuchs zu rekrutieren.

Ihr Buch versammelt Reportagen, Porträts und Interviews. Es handelt sich also eher um eine lose verknüpfte Sammlung einzelner Beiträge und unterschiedlicher Textsorten. Das sorgt für Abwechslung, manchmal jedoch auch für Wiederholungen. Einige Abschnitte basieren auf Fernsehreportagen von Sundermeyer. Dem Text fehlen zum Teil die Informationen der Bilder. Antworten auf wichtige Fragen wie die zur Finanzierung der Partei finden sich nur verstreut, und das Gesamtbild bleibt diffus. Allerdings verwandeln die Autoren trockenen Stoff wie die regionalen Unterschiede in unterhaltsame Lektüre. Sie erzählen Geschichten von Zivilcourage in der Provinz, lassen einen Aussteiger ebenso zu Wort kommen wie Schlüsselfiguren der NPD. Als Einstieg ins Thema ist ihr Buch sicherlich geeignet.

Und doch: Der Titel In der NPD wirbt damit, »mitten drin« zu sein. So nah, wie man es bei zweijähriger Recherche hätte erwarten können, sind die Autoren den Neuen Rechten indes nicht gekommen. Mit ihren Fragen halten sie manchmal früh ein, kommentieren nur zurückhaltend. So erfährt man wenig über den familiären und sozialen Hintergrund eines jungen Kreisvorsitzenden. Der wäre aber nicht unwichtig, um Gedankengänge und Funktionsmechanismen der Partei und ihrer Anhänger zu verstehen. Undeutlich bleibt, wie denn nun ein »Bürgergespräch« oder eine Rhetorikschulung in der NPD konkret aussehen. Und beim »Fest der Völker«, einem jährlichen Rechtsrock-Festival, besuchen die Autoren die Pressekonferenz und schauen von außen zu, anstatt mit rechten Besuchern ins Gespräch zu kommen. Journalistische Distanz sei ihnen wichtig gewesen, begründen sie ihre Zurückhaltung.

Rechtzeitig zum »Superwahljahr«, das für die in Finanzskandalen rotierende Partei entscheidend sein wird, ist dieses Buch erschienen. Ruf und Sundermeyer sehen 2009 auch als Deutschlands »Reifeprüfung«. Abgesehen von den Steuergeldern, die der NPD bei Erfolgen auf kommunaler und Landesebene winken, gelte: Wird sie wieder in die Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern einziehen, hätte sie Dauerhaftigkeit bewiesen; wird sie im Saarland oder Nordrhein-Westfalen die Fünfprozenthürde nehmen, könnte sich ihr Fuß in die Tür zu den westdeutschen Bundesländern schieben. Insa Wilke