Das Gedränge der Fotografen ist groß. Naomi Campbell ist da, Stefanie Seymour auch. Zwei so schöne Frauen, da will das Blitzlichtgewitter kaum aufhören. Der blonde Typ mit der Ringerstatur dazwischen stört ein bisschen. Zumal als dann auch noch Claudia Schiffer auftaucht, strahlend blond und in einem Tigerlilly-Kleid.

François-Henri Pinault nimmt es gelassen. Wenn er lächelt, zieht er jedes Mal unwillkürlich die Nase kraus. Aus den stahlblauen Augen blitzt Belustigung. Er ist der Chef hier, beim Defilee des Labels Yves Saint Laurent während der Pariser Modewochen.

Yves Saint Laurent gehört zur Gucci-Gruppe und die wiederum zu PPR. Das Kürzel steht für Pinault-Printemps-Redoute. Nachdem sich das Konglomerat aus Holzhandel, Warenhäusern und Versandgeschäften mit dem Erwerb von Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta in die Luxuswelt eingekauft hatte, dampfte es den alten Namen ein. Analysten sprachen von einem Gemischtwarenladen, aber Pinault beharrte in den vergangenen Jahren stets darauf, dass die beiden Standbeine mit ihren unterschiedlichen Konjunkturzyklen das Unternehmen schützten.

Doch jetzt trifft die Krise beide mit großer Wucht. Der Plan, rund um den 2007 erworbenen deutschen Sportartikelhersteller Puma weitere internationale Marken aus dem Sport- und Lifestyle-Bereich zu gruppieren, wurde auf Eis gelegt. Den Einrichtungsdiscounter Conforama und die Multimediakaufhäuser Fnac, deren Verkauf das nötige Kapital bringen sollten, kriegt Pinault derzeit nicht los.

Für die Abschlussklasse zog der Schüler aus der Bretagne nach Paris

Der 46-Jährige empfängt in einem kleinen Büro in der Konzernzentrale unweit der Pariser Champs-Élysées. Das schlichte Mobiliar aus hellem Holz stammt von dem französischen Designer und Architekten Jean-Michel Wilmotte und stand schon im Büro von Pinaults Vater François. Er sei »sehr wenig mondän«, sagt der Junior. »Ich nehme an den Modeschauen der Gruppe teil, weil es wichtig ist, den direkten Kontakt zu den Kreativen zu pflegen und ihre Arbeit bei den Schauen zu sehen. Ansonsten halte ich mir meine Abende lieber frei von gesellschaftlichen Verpflichtungen.« Bei Cocktailempfängen und Vernissagen sieht man ihn selten. Ein spannendes Fußballspiel des Erstligavereins Stade Rennes seiner ehemaligen bretonischen Heimatstadt ist ihm da lieber. »Daran besteht kein Zweifel«, sagt er und lacht. Der Verein gehört, nebenbei bemerkt, auch der Familie.