Zwischen Achterbahn und Geisterbahn haben endlich die Hippies ein neues Zuhause gefunden. Seit dem Wochenende wird kühlen Hanseaten ganz blümerant, wenn sie beim Besuch des Hamburger Frühjahrsdoms die Prismenbrille aufsetzen und sich »auf achtzig Metern durch die Siebziger« treiben lassen: Es blinkt und blitzt und blubbt, und man wird so zugedröhnt, dass es einem schwerfällt, sich auf den Beinen zu halten. LSD? Nö. LED! Psychodelic heißt die schrillstbunte Bude, die der Münchner Schausteller Karl Häsler unter Einsatz von 1200 Mikroprozessoren und ungezählten Leuchtdioden eigenhändig zusammengelötet hat in einem durchaus komplizierten Verlötungsprozess. Nun freut er sich über das Volk, das bereit ist, Flower-Power mit klingender Münze zu entgelten. Wer die Zeitreise heil überstanden hat, kann sich noch am Riesenrad anstellen: Dort werben am Freitag dieser Woche 15 evangelische Pastoren und vier Engel um Laufkundschaft für den lieben Gott. Für zwei statt vier Euro geht es »himmelwärts«. So hat neben den Hippies auch das Vaterunser den Rummelplatz erreicht. Spötter sorgen sich schon: Dreht die Kirche jetzt durch?