Er war das geborene Alphatier, der älteste Sohn, der sich schon als Schüler das Taschengeld als Wanderführer verdiente. Im Krieg sollten ihm seine sportliche Natur und gute Ortskenntnis vermutlich das Leben retten: Einen wie ihn opferte man nicht an der Front, ihn setzte man strategisch ein. Die Kriegsjahre erlebte er dennoch als Albtraum; schreibend suchte er das Trauma zu bewältigen: "Man kämpft und marschiert, stürmt, schießt und wundert sich, dass man selbst noch lebt."

Aus dem Krieg zurück, beendete er sein Architekturstudium; diesen Beruf sollte er aber nur kurz ausüben. Ein Zufall wollte es, dass er seine Berufung fand: Von nun an sollte alles, was er anpackte, spektakulär, außergewöhnlich, ein Abenteuer sein – und wo anders als in der Welt der Bilder war das machbar? Hier konnte er sich mit seinem ausgeprägten Ego und seiner Lust am Spiel, das er übrigens auch an der Geige zeigte, verwirklichen. Bald war er sein bester Hauptdarsteller. Und er war ein Geschichtenerzähler, freilich einer, der es mit der Wahrheit nie so genau nahm. Bei heiklen Themen sollte man ihm das übel nehmen, in friedlichen Zeiten wirkte es eher amüsant. Wenn er Anekdoten aus seinem Leben zum Besten gab, konnte dieselbe Geschichte fünfmal hintereinander ein anderes Ende nehmen, erinnerte sich später ein langjähriger Kollege.

War er zu sehr mit sich beschäftigt, um wahrzunehmen, dass die Realität um ihn herum längst kein Spiel mehr war? Oder wollte er einfach nichts sehen? Er lavierte herum, beging schwere Fehler, ein unverbesserlicher Kindskopf. Bis er eines Tages endgültig zwischen allen Stühlen saß und kämpfen musste: um neue Aufträge, die Existenz, den künstlerischen Ruf. Und als die schlimmste Phase vorbei schien, verzettelte er sich erneut, ausgerechnet mit einem gefälschten Tagebuch. Doch was anderen das Genick gebrochen hätte, ergab bei ihm nur einen Karriereknick. Schon im Rentenalter, startete er durch in einem neuen Medium. So war und blieb er "der Große" – den Beinamen hatten sie ihm in seiner Heimat gegeben, weil es selten vorkam, dass einer von ihnen das Tal verließ und die Welt eroberte. Dem umtriebigen Sohn eines Holzbildhauers aber war das Glück vergönnt.

Jahre nach seinem Tod studierte einer alle Dokumente und urteilte so: Er sei weder ein "Freiheitsheld noch ein … Handlanger oder Kollaborateur" gewesen, vielmehr "…ein normaler Durchschnittsmensch, der auch in schwierigsten Situationen in erster Linie darauf bedacht ist, sich und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen … und sich seine berufliche Entfaltung nicht vermiesen zu lassen." Schließlich hatte er Frau und vier Kinder ernähren müssen. Und wenn er sich auch in zunehmendem Alter mit hübschem, Jahrzehnte jüngerem Beiwerk umgab, besaß er doch Familiensinn. Oder steckte hinter alldem nur ein "Medienphantom", wie ein bekanntes politisches Magazin ironisch fragte – "…zu überlebensgroß für uns…, zu allgegenwärtig"? Wer war’s?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 13:
Amenophis IV. (1377/1375 bis 1336 v. Chr.) aus der ruhmreichen 18. Dynastie heiratete um 1358 die "Bürgerliche" Nofretete, wurde 1352 Pharao, begann 1347 mit dem Bau seiner Hauptstadt Achetaton, zog ein oder zwei Jahre später dorthin und nannte sich Echnaton. Thomas Mann porträtierte ihn in "Joseph und seine Brüder"