»Gesetzt den Fall, der liebe Gott langweilt sich. Die Engel wären besorgt, und einer käme auf die Idee, ihm ein Schachspiel zu bringen. Er könne doch mit dem Erzengel Michael eine Partie spielen, dann mit Einstein oder mit dem Teufel um ein Seelchen… Doch für Gott macht Schach wenig Sinn. Er würde kurz aufs Brett blicken und sagen: ›Matt in 267 Zügen.‹ Mit Schwarz würde er nach 1.d4 sagen: ›Ich gebe auf‹ – und wieder gelangweilt auf seine Schöpfung blicken«, so der Wiener Kunst- und Philosophieprofessor Ernst Strouhal in der Kulturschachzeitschrift Karl.

Spieltheoretisch betrachtet, ist Schach ein endliches Nullsummenspiel mit vollständiger Information. Statt Zufall oder Willkür herrschen exakte Regeln und Gesetze, das Spiel ist prinzipiell lösbar. Um diese Wirkzusammenhänge dem Laien nahezubringen, gibt es Experten, quasi Mittler zwischen Gott und seinen im Dunkel tappenden Geschöpfen. Als bei der letzten Schach-WM in Bonn die gottähnlichen Viswanathan Anand (Indien) und Wladimir Kramnik (Russland) den Kampf um die Schachkrone ausfochten, versuchte der amerikanische Großmeister Yasser Seirawan dem englischsprachigen Publikum im Internet- Fernsehen die Züge zu erläutern. Fundiert und anregend zugleich.

Vergangenes Jahr gelang Seirawan in den Niederlanden gegen K. Leenhouts eine entzückende Mattkombination. Mit geometrischen Zick-zack-Manövern nahm er als Weißer am Zug den schwarzen König in den Schwitzkasten, wobei seine absolute Vorherrschaft auf den schwarzen Feldern entscheidend war. Wie kam's?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 13:
Mit welchem Opferangriff setzt Weiß am Zug matt? Nach dem Springeropfer 1.Sf6+! gxf6 (völlig sinnlos wäre 1…Kf8 2.Sxd7+) 2.Lxf6 ist das Matt auf h8 nicht mehr zu vereiteln, etwa 2…Sxh4 3.Th8 matt