DIE ZEIT: Was bietet die Hannover Messe in diesen Zeiten der Krise?

Dietmar Harhoff: Die Messe ist immer noch eine der wichtigsten der Welt, selbst wenn die Krise bei den Ausstellerzahlen Spuren hinterlässt. Die Hannover Messe ist vor allem ein Forum für Informationen. Die Aussteller erfahren hier, wie ihre potenziellen Kunden die wirtschaftliche Entwicklung einschätzen. Das liefert für die eigene Planung wertvolle Daten.

ZEIT: Zeigt sich Deutschland auf der Messe denn innovativ genug, um in der weltweiten Krise zu bestehen?

Harhoff: Als exportorientiertes Land ist Deutschland von der Krise besonders stark betroffen. Gerade bei den Investitionsgütern ist der Umsatzeinbruch besonders stark gewesen, und er setzt sich fort. Wir wissen nicht, wie lange die Talfahrt anhält und wie tief gehend der Rückgang sein wird. Aber die Chancen sind gut, dass deutsche Anbieter ihre Position im Aufschwung wieder erreichen können. Gerade deshalb sollte die Politik darauf achten, bei der Umsetzung der Konjunkturpakete auf Forschung und Innovation zu setzen.

ZEIT: Verschiebt sich nun die Bedeutung einzelner Branchen?

Harhoff: Die Umwelttechnologie ist klar auf dem Vormarsch – man sieht das ja auch an dem Leitthema der Energieeffizienz und der neuen Messe zur Windenergie. Einige Trends, so die wachsende Bedeutung von Dienstleistern in der Forschung, sind ebenfalls sichtbar. Aber aus den Veränderungen von Jahr zu Jahr kann man nicht ableiten, dass bestimmte Branchen an Bedeutung verlieren – das muss man schon langfristig betrachten.

ZEIT: Die deutsche Autoindustrie hat sich – wie wir heute wissen – nicht rechtzeitig auf Zukunftstechnologien eingestellt. Welche Industriezweige haben außerdem Entwicklungen verschlafen?

Harhoff: Hochmut kommt meistens vor dem Fall – in allen Branchen und in allen Ländern. Wenn Manager zu sehr vom Erfolg verwöhnt sind, werden sie nachlässig und nehmen Bedrohungen durch andere Technologien und Wettbewerber nur noch verzerrt wahr. Wenn man nach weiteren "Technologielücken" sucht, dann fällt einem schnell die Batterietechnologie ein. Aber da haben öffentliche Forschung und Wirtschaft vermutlich gemeinsam die Entwicklung verpasst.