DIE ZEIT: Herr Hürlimann, haben Sie kürzlich mal gedacht: Was hätte wohl mein Vater gemacht?

Thomas Hürlimann: Ja, das denke ich häufig. Mein Vater, Hans Hürlimann, war von 1973 bis 1982 in einem guten Bundesrat, mit Willi Ritschard, Kurt Furgler und Fritz Honegger. Wenn ich heute höre, dass ein Bundesrat aus Protest gegen die Deutschen nicht mehr Mercedes fährt, dann zucke ich zusammen. Auf dieses Niveau hätten sich mein Vater und seine Kollegen nie begeben.

ZEIT: Welches Niveau meinen Sie?

Hürlimann: Damals hatten Bundesräte noch Stil. Sie sahen sich als Landesväter. Vielleicht ist das heute auch schwieriger. Damals war das Gremium verschworen, da drang nichts nach außen.

ZEIT: Ihr Vater hat Ihnen nie etwas erzählt?

Hürlimann: Nein. Ich erinnere mich, wie mein Bruder mal zum Vater gesagt hat: "Wenn Ihr das AKW Kaiseraugst baut, dann setze ich mich nicht mehr mit dir an einen Tisch." Damals hatte eine Delegation des Bundesrates schon mit der Kraftwerksgesellschaft NOK verhandelt, um Kaiseraugst zu verhindern. Aber das hätte er uns nie gesagt. Das sind leider Tempi passati.

ZEIT: Wie konnte das passieren?