In Irland fand unlängst eine interessante Crossover-Aktion statt. Ein unbekannter Künstler schmuggelte in zwei Dubliner Museen enthüllende Ölgemälde, auf denen der irische Premier Brian Cowen sehr lebensnah zu sehen war. Einmal, wie die Natur ihn etwas zu vollschlank schuf, mit einer blauen Unterhose in der Hand, das andere Mal auf der Toilette. Politiker in menschennaher Pose zu zeigen, also entkleidet ihrer staatsmännischen Aura, kann mitunter gründlich schiefgehen. Das demonstriert so mancher Wahlkampf. Aber es wirkt auf Wähler sehr unterhaltsam. Wo sind also die jungen Wilden in diesem Lande, die sämtliche Mitglieder des Ministerrats in intimen Momenten, etwa bei der Herstellung von Stoffwechselendprodukten, fotorealistisch darstellen? Man stelle sich nur die Vernissage vor! Das höhnische Raunen der Opposition. Der Erfolg der legendären Van Gogh-Ausstellung würde locker in den Schatten gestellt. Oder Kanzler Werner Faymann im Stil der Alten Meister gemalt, ganz privat, wie er schwungvoll sein Frühstücksei köpft. Welch ein Sinnbild seiner Managerqualitäten. Gut vorstellbar auch Josef Pröll, der lukullischste der Volksvertreter, in einem romantischen Landschaftsbild, wie von Waldmüller gepinselt, als nackter Faun, auf einer Blumenwiese liegend, und mit Weintrauben in den Haaren. Was könnte die momentane Idylle der Volkspartei besser illustrieren? Nicht zuletzt wären HC Straches Paintballtreffer im Stile von Jack the Dripper Jackson Pollock ein Beweis dafür, was österreichische Politiker hervorzubringen befähigt sind.