Gerechtigkeit kann manchmal so einfach sein: Wer mehr Risiko bei der Geldanlage eingeht, der kann am Ende mehr gewinnen. Konservative Anleger hingegen schlafen zwar meist besser, dürfen dafür aber auch selten über außergewöhnliche Gewinne jubeln. So weit die Theorie. Einer Bank Geld zu leihen dürfte zuletzt als eher riskantes Investment gegolten haben. Ganz so einfach ist es in Zeiten staatlicher Rettungspakete in Milliardenhöhe jedoch nicht.

Der Grund: Bei ihren "Anleihen", also den Wertpapieren, die Banken gegen einen Kredit der Anleger hergeben, gibt es große Unterschiede. Laut Vertrag haben die Besitzer sogenannter nachrangiger Anleihen als Erste das Nachsehen, wenn es ihrem Schuldner-Institut schlechter geht. Im Gegenzug für höhere Zinsen in guten Zeiten müssen sie als Erste auf Zinszahlungen verzichten, sobald eine Bank in Schieflage gerät. Je nach Risikostufe bekommen sie nur einen Teil der Rückzahlungen.

Umso übler stößt es vorsichtigen Anlegern und einigen Politikern auf, dass bisher auch Banken, die den staatlichen Schutzschirm brauchen, an die Besitzer fast aller riskanten Produkte weiter Zinsen zahlen – teilweise mithilfe des Rettungsgelds der Steuerzahler. Das könnte sich ändern. Vergangene Woche hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf verabschiedet, der dafür sorgen kann, dass angeschlagene Banken bestimmten Gläubigern keine Zinsen mehr zahlen dürfen. Den Käufern der Produkte passt das gar nicht. Sie warnen vor einer Destabilisierung des gesamten Anleihenmarktes.

Kaum jemand hat erwartet, dass die Banken einmal solche Verluste machen würden. "Die aktuelle Situation zeigt aber, dass die Aufsichtsbehörden mehr Einflussmöglichkeiten brauchen", sagt Jeanette Schwamberger vom Bundesfinanzministerium. "Und genau das kann das geplante Gesetz gewährleisten." Danach soll die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Recht haben, den Banken "die Auszahlung jeder Art von Erträgen auf Eigenmittelinstrumente" zu verbieten, wenn diese "nicht vollständig durch einen erwirtschafteten Jahresüberschuss abgedeckt sind".

Um das zu verstehen, muss man sich zunächst mit Begriffen wie Eigenkapital und Bilanzierung beschäftigen, aber auch mit Gewohnheiten, die über viele Jahre hinweg entstanden sind. Mit Vorliebe verkauften die Banken in guten Zeiten Anleihen, in deren oft mehrere Hundert Seiten starken Verträgen für den Käufer sehr unangenehme Klauseln standen. So kann die Bank etwa einseitig die Rückzahlung fast unendlich lang verschieben, in Krisenzeiten die Zinszahlungen stunden oder manchmal sogar ganz ausfallen lassen.