"Eine schwache Währung ist das Resultat einer schwachen Wirtschaft, und die wiederum ist das Resultat einer schwachen Regierung." Gordon Brown wird sich kaum an seine Worte erinnern wollen, mit denen er 1992 auf der Oppositionsbank gegen die Tory-Regierung ätzte. Damals hatte ein Run auf das Pfund Großbritannien aus dem europäischen Währungssystem katapultiert.

Heute steht Brown als Regierungschef selbst ziemlich dämlich da. Nach fast dreizehn Jahren von ihm verantworteter Wirtschaftspolitik ist das Pfund schwach wie nie. Seit Juni 2007 ist es gegenüber fast allen Währungen in steiler Kurve um 25 Prozent gefallen. Sogar gegenüber dem ungarischen Forint, einer Währung, die seit Beginn der Finanzkrise schon zweimal vom Internationalen Währungsfonds gestützt werden musste. Nun droht Großbritannien, anders als Ungarn und entgegen aller Unkenrufe, nicht der Staatsbankrott. Britische Staatsanleihen sind trotz der steigenden Verschuldung nach wie vor gefragt, und die Rating-Agenturen halten eisern an den guten Bonitätsraten für das Land fest. Dennoch sollte man die Sterlingkrise nicht leichtfertig abtun.

Seine Rolle als drittstärkste Leitwährung verdankt das Pfund nicht zuletzt der Tatsache, dass die britische Wirtschaft so eng mit dem Euro-Raum verflochten ist. Der wird sich aber aller Voraussicht nach schneller von der Rezession erholen als Großbritannien, und man kann damit rechnen, dass sich der Sterling langfristig auf einem wesentlich niedrigeren Niveau stabilisieren wird. Dann könnte der Yen bald wieder den dritten Platz in der Liga der Leitwährungen einnehmen. Warum also nicht gleich das Pfund aufgeben und dem Euro beitreten? "Niemals!", wäre da die entsetzte Antwort der Briten. Sie würden darauf verweisen, dass der Sterling schon viel schlimmere Krisen überlebt hat. 1430 wurde das Pfund schließlich schon einmal entwertet, weil Eduard III. seine Schulden an die Italiener nicht bezahlen konnte. 1513 führte ein misslungener Feldzug von Heinrich VIII. gegen Frankreich ebenfalls quasi zum Kollaps der Währung. Auch 1672 stürzte sie ins Bodenlose, genauso wie 1932 und 1976.

Nach 1200 Jahren Währungsgeschichte gilt also: Selbst der stärkste Euro wird das Pfund nicht kleinkriegen – und schon gar nicht eine schwache Regierung.