Sie bieten Suiten und Federbetten, schallgedämmte Abteile oder eigene Duschen an Bord: Derzeit übertrumpfen sich Fluglinien mit Neuerungen in der First Class.

Die Kunden dieser Luxusklasse, meist Geschäftsreisende, bezahlen für ihre Passagen bis zum Zehnfachen des Economy-Flugpreises. Dafür werden sie an Bord und am Boden verwöhnt. Weil aber neuerdings viele Firmen sparen, bleiben die teuren Sitze auf Langstreckenflügen oft leer. Sie werden bis zu einem Drittel weniger gebucht als noch vor einem Jahr. Und doch richten sich viele neue Angebote gerade an die First-Class-Klientel. "Es geht um unsere Positionierung in einem umkämpften Markt", sagt Swiss-Chef Christoph Franz. Pläne, in Boomzeiten entworfen, werden jetzt umgesetzt.

Swiss wird ab dem 20. April die ersten Airbus-A330-300-Langstreckenjets in Betrieb nehmen. In der First Class sitzen dort höchstens acht Gäste in eigenen, von Wänden umgebenen Abteilen, umsorgt von zwei Flugbegleitern. Der Sessel lässt sich auch für Networking über den Wolken nutzen: Jedem Platz gegenüber steht eine Ottomane als Besuchersitz. So können zwei First-Gäste vis-à-vis an einem großen Tisch speisen. Durch ein eingebautes Luftkissen lässt sich die Sitzhärte des Hauptsessels verstellen. Mit ihrer neuen Luxusklasse will Swiss auf ihre Weise von der Krise profitieren: "Wir sehen das als ernsthafte Alternative zu privaten Business-Jets auf Langstrecken", sagt Firmenchef Franz.

Als eine der wenigen Gesellschaften überhaupt bieten die Schweizer damit wieder auf allen Langstrecken eine First-Class-Kabine an. Doch auch die Konkurrenz feilt am Ambiente: Vermutlich im April kommenden Jahres soll der erste Airbus A380 der Lufthansa Premiere feiern – mit neu gestalteter Luxuskabine. Bisher liegt die Lufthansa-First-Class Welten hinter der der meisten Konkurrenten. Künftig werden die First-Class-Kabinen über eigene Garderobenschränke verfügen, dafür fallen die Gepäckfächer an der Decke weg, die Bildschirme werden kleiner ausfallen als bei der Swiss. Als Neuheit wird die Lufthansa eine spezielle Lärmdämmung zwischen Kabine und Bordküche einführen. Insgesamt ein eher konventionelles Produkt im Vergleich etwa zu dem Angebot von Emirates: Dort erwartet den Gast in der First Class ein kleines Spa – mit Umkleidebereich, Duschkabine, Ganzkörperspiegel, Haartrockner und Kosmetikablagen. Singapore Airlines bietet für den Flug von Europa nach Singapur zwölf Suiten an. Wer bereit ist, bis zu 10000 Euro zu zahlen, reist im Sitz aus kürbisfarbenem Leder und steigt zum Schlafen in ein Bett mit Federkissen von Givenchy.

"First-Class-Kabinen sind für das Image und die Markenbildung wichtig", sagt der frühere Lufthansa-Spitzenmanager und heutige Branchenberater Jean-Peter Jansen. Ihr Komfort präge sich auch solchen Kunden ein, die nie First Class flögen. So könnten sich die Luxussitze lohnen, selbst wenn sie häufiger mal leer bleiben.

Vielleicht ist aber auch eher ein Produkt zeitgemäß, das unter anderem Qantas und Japan Airlines eingeführt haben: eine Premium Economy Class. Dort kostet die Passage bis zum Doppelten eines Economy-Tickets, aber wesentlich weniger als ein Business-Flugschein. Ein Ticket für Menschen, die sich die Business-Class nicht leisten können – und für Firmen, die ihren Mitarbeitern in Zeiten der Finanzkrise keine Luxustickets finanzieren möchten. "Die Premium Economy ist zu 85 Prozent ausgelastet", sagt Qantas-Chef Alan Joyce. "Das sind zurzeit unsere beliebtesten Plätze." Air France zieht zum Herbst nach mit ihrer "Premium Voyageur" genannten neuen Zwischenklasse – und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis noch weitere Fluglinien den maßvollen Luxus entdecken.