So fängt es an: "Ich will von einem Sommer erzählen, den ich zusammen mit vier amerikanischen Gangstern verbracht habe." Das ist ein erster Satz der guten alten Art, denkt man sich, und wenn einem dann die vier mit Worten wie "ein finsterer Geselle" oder "ein hinterlistiges Wesen" vorgestellt werden, kommt noch dazu so etwas wie Wildwest-Stimmung auf, wenngleich auch eher der alten Art.

Dabei ist der, der hier erzählt, Tony, der, wie man gegen Schluss erfährt, eigentlich Anton heißt, ein junger Mann, grad mal so alt wie sein Autor, so Mitte/Ende zwanzig. Aber er hat schon einiges hinter sich, damals vor knapp drei Jahren, also 2006: vor allem die verunglückte Liebe zu Eleanor, die sich Elle nennt. Sie hat einen Pulsschlag, der einen durch die Nacht peitscht, während Tony es eher besinnlich angeht, und weil er die tiefe, mysteriöse Eleanorstille, die es auch gibt, zwar liebt, aber nicht durchdringt, verliert er die Frau.

Aber, Glück im Unglück: Irgendwer hat mal gesagt, was man machen soll, wenn einen die Frau verlässt. Man soll nicht trauern! Und so kommt es, dass Tony nach New York fährt, wo Onkel Jimmy eine Luncheonette hat, in der es Pfannkuchen gibt und wo er als eine Art Aushilfe willkommen ist.

Der Laden liegt in einer dieser eher kleinbürgerlichen Ecken New Yorks, die noch jeder Tourist mit Staunen entdeckt hat, ein paar andere kleine Läden gibt es auch noch in der Nachbarschaft, und Jimmy betreibt sein Geschäft mit ein paar richtig netten Kumpels. Da ist einmal Francis, der die Getränke serviert, dann Zac, der eigentlich Boxer werden wollte, und schließlich der hübsche Patrick Murdock (sechzehn Jahre alt, wird von allen immer nur Murdock genannt. Warum, weiß ich nicht). Murdock liefert die Bestellungen aus.

Bleibt Onkel Jimmy, der gar kein richtiger Onkel ist, aber vor langer Zeit mal etwas mit Tonys Mutter gehabt hat. Jimmy ist ein durch und durch prima Kerl, aber er hat eine schwere Macke: Er ist total fasziniert von der Gefängnisinsel Alcatraz und ihren Insassen und da vor allem von jenen vier, die die Einzigen waren, die erfolgreich eine Flucht von der Insel geplant haben und hinterher (fast) nie wieder aufgetaucht sind, wobei das mit dem Auftauchen, und zwar aus der San Francisco Bay, im Zweifelsfall wörtlich zu verstehen ist.

Jimmy verehrt die vier geradezu, und mit großen Fotos hat er sie bei sich an der Wand aufgehängt: die beiden Brüder Anglin, Clarence und John W., Frank Lee Morris, der der Kopf der Bande war, und Allen West, der damals im Mai 1962 im entscheidenden Moment nicht durch das Loch in der Wand kam und zurückbleiben musste (und den offenbar alle der Einfachheit halber Allen West nannten, warum, weiß ich nicht).