China wird in diesem Jahr die Ausgaben für das Militär um 15 Prozent erhöhen – und damit so stark wie 2008, aber deutlich weniger als noch 2007, als die Steigerung knapp 18 Prozent betrug. Damit sind die Chinesen neben den Indern die weltweit einzige größere Militärmacht, die ihren Verteidigungshaushalt mitten in der Wirtschaftskrise zweistellig wachsen lässt. Rund 2,3Millionen Menschen stehen in China unter Waffen – kein Wunder also, dass deren Aufrüstung dem Rest der Welt Sorgen macht.

Die USA geben am meisten für Rüstung aus. Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen! © ZEIT Grafik/Quelle: Center for Arms Control and Non-Proliferation

Allerdings ist China noch weit davon entfernt, militärisch ein global player zu sein. Seine Soldaten sind schlecht ausgerüstet, manche Garnisonen halten sich mit Viehzucht über Wasser. Wichtig ist der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde derzeit vor allem, ihre Seewege zu sichern. Der größte Teil der Versorgung Chinas mit Bodenschätzen läuft über Schiffe. Doch selbst für diese Aufgabe sind die Chinesen nicht optimal ausgerüstet. Das Reich der Mitte verfügt zwar über U-Boote, hat aber keine Flotte, keinen Flugzeugträger und keine strategische Luftwaffe.

Die scheinbar alarmierenden Wachstumsraten in Chinas Militäretat – zwischen 1998 und 2007 gab es durchschnittlich Steigerungen um knapp 16 Prozent – verlieren zusätzlich an Brisanz, wenn man die absoluten Zahlen mit denen der USA vergleicht. Offiziell beträgt das chinesische Militärbudget in diesem Jahr 56 Milliarden Euro. Damit wird in den Vereinigten Staaten für die Rüstung etwa zehnmal mehr Geld im Jahr ausgegeben, obwohl die US-Wirtschaft nur viermal größer ist.

Die größten Rüstungsunternehmen der Welt. Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen! © ZEIT Grafik/Quelle: Sipri Yearbook 2008

Das amerikanische Verteidigungsministerium wie auch unabhängige Forschungsinstitute nehmen indes an, dass Chinas Ausgaben für die Verteidigung mindestens doppelt so hoch sind wie offiziell ausgewiesen. Unklar ist auch die Entwicklung bei den chinesischen Rüstungsexporten. Hier gilt China im Vergleich zu den USA, Russland und Europa als eher kleiner Akteur – der es allerdings vor allem im Mittleren Osten und in Afrika geschickt versteht, politische und wirtschaftliche Interessen mit Militärhilfe zu verbinden. Schon 2006 bezifferte amnesty international die chinesischen Ausfuhren von Kriegsgütern auf eine Milliarde Dollar. Viele Waffen sollen zum Beispiel in den Sudan verkauft worden sein.