Die Zahl hat es in sich, auch weil sie von einem Mann verantwortet wird, der vieles anders machen wollte: 534 Milliarden Dollar plant Amerikas neuer Präsident Barack Obama in seinem ersten Haushaltsentwurf für Rüstung und Militär ein. In dieser Zahl sind die Mittel für den Irak- und den Afghanistan-Krieg sowie für die nukleare Rüstung noch nicht enthalten, die verbergen sich in anderen Posten des Budgets. Zählt man alles zusammen, geben die USA in diesem Jahr 4,6 Prozent ihres Inlandsprodukts fürs Militärische aus – mehr als im letzten Amtsjahr von Obamas Vorgänger George Bush und mehr als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

Seit 2001 sind die jährlichen Militärausgaben der USA um etwa 50 Prozent gestiegen und entsprechen inzwischen knapp der Hälfte dessen, was die Welt insgesamt für Kriege und das Militär aufwendet. Pro Kopf fließen in den Vereinigten Staaten jährlich über 1.600 Dollar in den Verteidigungshaushalt – etwas mehr als sechs Mal so viel wie in Westeuropa und hundert Mal mehr als in den Staaten Afrikas südlich der Sahara. "Das ist angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise schlicht nicht durchzuhalten", schreibt der Rüstungsexperte Chalmers Johnson in einer Analyse für CorpWatch, eine unabhängige Organisation, die sich die kritische Beobachtung der Rüstungsindustrie zur Aufgabe gemacht hat. Laut Johnson hat das Verteidigungsministerium – beeinflusst durch die Rüstungsindustrie – seit langem teure Fehlentwicklungen eingekauft: "Die Air Force und die Armee planen immer noch so, als ob ein konventioneller Krieg mit der Sowjetunion bevorstünde."

Obama hat denn auch mit vorsichtigen Reformen begonnen. So verkündete der Präsident, die Militärausgaben in den kommenden zehn Jahren einzufrieren und nur an die Inflation anzupassen. Eine der Herausforderungen für ihn ist die Reform des Beschaffungswesens im Pentagon. Angesichts von billionenschweren Ausgaben für Konjunkturpakete oder die Finanzindustrie sowie für zwei Kriege wird der Regierung nichts anderes übrig bleiben, als bei neuen Waffen kräftig zu sparen.

Zu den umstrittenen Projekten gehört vor allem der von Lockheed Martin entwickelte Kampfjet F-22A Raptor, der hinter dem Zeitplan und über dem vorgesehenen Budget liegt. Selbst Verteidigungsminister Robert Gates hat angedeutet, dass der Flieger für die Auseinandersetzungen in Afghanistan und im Irak kaum geeignet sei. Kritiker des Pentagons fordern seit Langem die Einstellung des Projekts. Das endgültige Aus schieben die Verantwortlichen in Washington jedoch weiter vor sich her.

Dennoch dürfte Barack Obamas Kurs nach Ansicht des liberalen Wirtschaftsforschungsinstituts Center for American Progress (CAP) auf Dauer für eine Umschichtung von Ausgaben im amerikanischen Rüstungshaushalt sorgen. Mehr Geld dürfte in die Ausrüstung und Besoldung der Truppen und in die Entwicklung neuartiger Waffensysteme wie etwa unbemannter Kampfdrohnen fließen. "Die Einstellung konventioneller, aus einer vergangenen Ära stammender Waffenprogramme, die im Kampf gegen gewalttätige Extremisten nichts helfen, wird die amerikanischen Steuerzahler Milliarden sparen", schreiben die Experten des CAP in einer aktuellen Studie.

Bei den Aktien der Rüstungskonzerne hat sich der – bisher freilich nur geplante – Kurswechsel bereits niedergeschlagen. "Unter normalen Umständen würde ich in Rezessionszeiten empfehlen, Rüstungsaktien zu kaufen, aber was sich momentan in der Politik abspielt, das sind keine normalen Verhältnisse", sagt Richard Tortoriello, ein Aktienanalyst von Standard & Poor’s. Für die kommenden vier Jahre rät er von Investitionen im Militärsektor ab.

Im Ausland sind die Waffen und Verteidigungssysteme made in USA freilich nach wie vor gefragt. Acht der zehn größten Rüstungsexportunternehmen der Welt stammen aus Amerika, sie machen die Vereinigten Staaten zum Exportweltmeister in der Rüstungsindustrie. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri wurden im Jahr 2006 von den 41 wichtigsten US-Waffenschmieden Kriegsgüter im Wert von über 200 Milliarden Dollar hergestellt. Westeuropäische Firmen kamen im In- und Ausland auf Waffenverkäufe für rund 92 Milliarden Dollar. Die Abnehmer etwa von amerikanischen Kampfflugzeugen sind vor allem England, Italien und Israel. Lockheed Martin, nach Boeing die Nummer zwei unter den Rüstungsunternehmen der Welt, hat einen Auftrag über 666 Millionen Dollar ergattert, um Aufklärer für die taiwanesische Marine nachzurüsten.