Als ich aus Washington zurückkam, war mein Hut zerknautscht, mein Koffer zerbeult und Madame am Ende ihrer Contenance. Es blieb die Frage: Was muss man tun, um die amerikanische Hauptstadt gut gelaunt zu überleben?

Ganz einfach: Mindestens 14 Tage bleiben. Damit die Wut verraucht, die einen bei der Einreise befällt. Es hat sich nämlich nichts verändert durch den Regierungswechsel. Zumindest sind die Schikanen geblieben, mit denen verdächtige Ausländer belästigt werden, und verdächtig ist auch der korrekt gekleidete weißbärtige Opa aus Deutschland, der dem Immigration Officer seine Einreisepapiere überreicht. Sie sind in deutscher Sprache ausgefüllt, die der Herr nicht versteht, außerdem ist ihm noch nicht bekannt, dass es neuerdings vereinfachte Formalitäten für die Einreise gibt. Also neue Papiere ausfüllen! Der nächste Officer ist weiblich und anderer Meinung als der Kollege, was sich zeigt, als sie die Formulare zerreißt und neue verlangt, Fingerabdrücke inklusive. Nach über zwei Stunden erst durften wir den Flughafen verlassen.

Doch wenn im Winter die Sonne scheint, kann Washington wundervoll sein. Eiskalte, aber erfrischend trockene Luft. Wie die Martini Cocktails, die sich immer noch großer Popularität erfreuen. Bei Marcel’s, einem prominenten Treffpunkt der Republikaner, trinken die Gäste zwei oder drei davon vor dem Essen, danach Eiswasser. Die Küche huldigt der Tradition: große Portionen – rote Steaks – viel Salat. So kochte man vor zwanzig Jahren auch in Bonn.

Und damit ist die Regionalküche von Washington am besten beschrieben. Bis auf drei, vier Ausnahmen – ich habe in den vorigen Ausgaben davon erzählt: das Adour zum Beispiel, das Four Seasons beim Sonntagsbrunch, das Citronelle (mit Abstrichen) – ist von moderner Küche nicht viel zu sehen.

Wieder daheim, lese ich, Michelle Obama, die Gattin des neuen Präsidenten, wolle vor dem Weißen Haus einen 1000 Quadratmeter großen Gemüsegarten anlegen und dort Zucchini, Salat und Beeren anbauen. Der Wert gesunder Nahrung sei ihr als berufstätige Mutter klar geworden. Seitdem sie aufgehört habe, häufig eine Pizza zu bestellen oder als Abendbrot ein Sandwich zu servieren, hätten ihre Töchter keine Gewichtsprobleme mehr. "Kinder, deren Familien und so die Gesellschaft" wolle sie nun mit dem präsidialen Gemüsegarten zu gesunder Ernährung mit frischen Produkten erziehen.

So fängt Fortschritt an.

Marcels: 2401 Pennsylvania Avenue, Washington, D. C., Tel. 001-202/296 11 66, www.marcelsdc.com