Eine von Künstlerhand gestaltete Standarte kündigte den letzten der 14 Teilnehmer des glanzvollen Turniers an. Sein Auftritt stellte alles in den Schatten, was die Zuschauer bei der prunkvollen Parade schon zu sehen bekommen hatten. Die Vorhut bildeten kostbare Pferde mit perlenübersäten Schabracken, ein Dutzend reich gewandete Gefolgsleute ritt ihm voran – als Höhepunkt erschien er selbst. Ein riesiger roter Edelstein prangte auf seinem Brustschild, die Gewänder strotzten vor Perlen und Juwelen, eine Edelsteinbrosche funkelte an seinem Hut. Im Kampf trug er einen Helm mit einem vertrockneten Veilchenkranz, dem Unterpfand der Dame, zu deren Ehren er antrat. Die Frau hingegen, mit der ein Verwandter an seiner statt soeben die Ehe für ihn geschlossen hatte, ließ er dafür in der Ferne warten. Obwohl er, wie er später zugab, mit den Waffen "nicht sehr stark war" und einmal sogar zu Boden ging, wurde ihm der Sieg zuerkannt. Um die Ferngetraute, die ihm an Rang doch überlegen war, heimzuholen, schickte er seinen Bruder. Bald nach der prunkvollen Hochzeit starb sein Vater, und seine unbeschwerte Jugend war vorbei.

"Ein widriges, hartes Los zwingt mich zu dem, was ich nicht möchte", schrieb der knapp 20-Jährige. Der höchste Ehrgeiz der Bande fröhlicher Freunde, der er angehörte, war es gewesen, Zeit und Vermögen mit Spiel und Frauen zu verschwenden, sich prächtig zu kleiden und witzig zu reden – "und wer die anderen am geschicktesten stichelte, der galt als der Gescheiteste und war der Angesehenste" –, nun aber galt es, das Erbe zu erhalten und zu vergrößern. Geerbt hatte er auch alte Feindschaften, immer wieder musste er um sein politisches, wirtschaftliches, aber auch physisches Überleben kämpfen. Eine Ausbildung zu dem, was seine Stellung begründete, besaß er nicht. Er hatte gelernt zu repräsentieren, war ein eloquenter Redner und geschickter Diplomat. Seine Neigungen gingen in ganz andere Richtungen: Er liebte die Jagd, begeisterte sich für Pferde und Hunde, sammelte kostbare Handschriften, diskutierte mit Gelehrten, beteiligte sich an den Spielen seiner bald sieben Kinder, war ein unersättlicher Liebhaber, spielte mehrere Instrumente, war ein Meister improvisierter Lieder, vor allem aber ein Dichter. Sein Leben lang arbeitete er an einer Gedichtsammlung, deren Grundstock die Liebespoesien für seine Dame mit dem Veilchenkranz bildeten. "Man sah, dass in ihm zwei verschiedene Personen waren, durch fast unmögliche Konjunktion vereint." Bei allem Glanz seines Auftretens, seines Charmes und seiner Intelligenz war er ein "abgrundtief hässlicher Mann", wie es hieß, mit einer deformierten Nase und einer unangenehmen Stimme. Und die Freiheit des Geistes, mit der er verbunden wird, galt nicht für sein konkretes Handeln, denn schon er waltete mit autoritärer Selbstherrlichkeit, die auch seinen Sohn bald nach seinem frühen Tod zu Fall brachte. Wer war's?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 14
Luis Trenker (1892–1990) stammte aus Südtirol und war im Ersten Weltkrieg Bergführer in den Dolomiten. Seit 1927 war er Darsteller, Regisseur und Drehbuchautor von Filmen, die oft in der Bergwelt spielten. Vom Naziregime anfangs hofiert, fiel er später in Ungnade, in Italien aber durfte er weiter arbeiten. 1948 gab es einen Skandal wegen eines gefälschten Tagebuchs, angeblich von Eva Braun